450 Milliarden Bakterien pro Beutel. 8 verschiedene Stämme. In über 80 Studien untersucht. VSL#3 zählt zu den am intensivsten erforschten Probiotika auf dem deutschen Markt und polarisiert: Die einen schwören darauf bei Reizdarm, Colitis ulcerosa oder nach Antibiotika-Kuren, die anderen halten den Preis von rund 70 Euro für 30 Sachets für übertrieben. Was steckt wirklich dahinter?
Dieser Artikel beleuchtet VSL#3 aus verschiedenen Blickwinkeln: die wissenschaftliche Studienlage, echte Praxis-Rückmeldungen, die kontroverse Diskussion um die Originalformel, konkrete Kosten und praktische Tipps zur Einnahme. Am Ende weißt du, ob das Präparat für dich in Frage kommt.
VSL#3 ist ein sogenanntes polybiotisches Nahrungsergänzungsmittel mit einer außergewöhnlich hohen Bakterienkonzentration.

Ein einziger Beutel enthält 450 Milliarden koloniebildende Einheiten (KBE) aus 8 verschiedenen Bakterienstämmen. Zum Vergleich: Die meisten handelsüblichen Probiotika liefern zwischen 1 und 15 Milliarden Bakterien pro Portion.
Die enthaltenen Stämme im Überblick:
3 Bifidobakterienstämme:
- Bifidobacterium breve BB02
- Bifidobacterium longum BL03
- Bifidobacterium infantis BI04
4 Lactobacillus-Stämme:
- Lactobacillus paracasei BP07
- Lactobacillus acidophilus BA05
- Lactobacillus plantarum BP06
- Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus BD08
1 Streptokokken-Stamm:
- Streptococcus thermophilus BT01
Diese Kombination wurde gezielt für die Unterstützung der Darmschleimhaut zusammengestellt. Die Bakterien kommen natürlicherweise im menschlichen Darm vor und sollen dort die sogenannten „Tight Junctions“ stärken. Das sind die kleinen Verbindungen zwischen den Darmzellen, deren Schwächung zum sogenannten Leaky-Gut-Syndrom führen kann.
Die Studienlage: Was sagt die Wissenschaft?
VSL#3 gehört zu den am besten untersuchten Probiotika weltweit. In mehr als 80 wissenschaftlichen Studien wurde die Formel untersucht, wobei ein wichtiger Hinweis vorab notwendig ist: Die meisten dieser Studien wurden mit der Originalrezeptur durchgeführt, die vor 2016 produziert wurde. Dazu später mehr.
Pouchitis und Colitis ulcerosa
Die überzeugendsten Daten liegen für die Pouchitis vor. Das ist eine Entzündung des künstlichen Mastdarms (Pouch), der nach einer Dickdarmentfernung bei Colitis-ulcerosa-Patienten gebildet wird. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 40 Patienten zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Während alle Teilnehmer der Placebo-Gruppe innerhalb von 9 Monaten einen Rückfall erlitten, blieben 85% der VSL#3-Gruppe rezidivfrei.
Bei Colitis ulcerosa selbst sieht die Datenlage ebenfalls positiv aus. Eine multizentrische Studie aus dem Jahr 2010 mit 144 Patienten zeigte, dass die Ergänzung der Standardtherapie mit VSL#3 zu einer signifikant höheren Verbesserung der Krankheitsaktivität führte (63% vs. 41% in der Placebo-Gruppe). Die European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) erwähnt VSL#3 in ihren Leitlinien als mögliche Ergänzung.
Reizdarmsyndrom
Beim Reizdarm zeigt sich ein gemischteres Bild. In einigen Studien konnte VSL#3 Blähungen und Völlegefühl reduzieren. Bei anderen Symptomen wie Bauchschmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten waren die Ergebnisse weniger eindeutig. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten stufen die Evidenz als moderat ein, aber positiver als bei vielen anderen Probiotika.
Antibiotika-assoziierter Durchfall
Eine britische Studie aus dem Salford Royal Hospital untersuchte den Einsatz von VSL#3 bei antibiotikabedingtem Durchfall. Die Ergebnisse zeigten eine Verringerung der Durchfallhäufigkeit, insbesondere bei Infektionen mit Clostridium difficile.
Die Kontroverse: VSL#3 vs. Visbiome vs. Vivomixx
Ein Thema, das in vielen deutschen Artikeln zu VSL#3 komplett fehlt: Die Originalformel ist nicht mehr unter dem Namen VSL#3 erhältlich.
Der Erfinder Professor Claudio De Simone entwickelte die Formel in den frühen 1990er Jahren. Bis 2016 wurde sie unter dem Namen VSL#3 vertrieben. Dann kam es zu einem Rechtsstreit. De Simone trennte sich von seinen Geschäftspartnern, die daraufhin eine modifizierte Version unter dem gleichen Namen weiter verkauften.
2018 entschied ein US-amerikanisches Bundesgericht, dass die neue Formel nicht mit der klinisch getesteten Originalformel identisch ist. Die Vertreiber wurden wegen irreführender Werbung verurteilt. Mehrere Universitäten stoppten daraufhin klinische Studien mit dem neuen VSL#3.
Was bedeutet das für Verbraucher in Deutschland?
Die Originalformel wird heute unter folgenden Namen verkauft:
- Visbiome (USA, Kanada)
- Vivomixx (Europa)
Das in Deutschland erhältliche VSL#3 wird in Italien produziert und verwendet die gleichen Bakterienspezies, aber möglicherweise nicht die identischen Stämme und Herstellungsverfahren. Die wissenschaftlichen Studien, auf die sich die Werbung bezieht, wurden größtenteils mit der Originalformel durchgeführt.
Für dich als Käufer heißt das: Die Studienergebnisse lassen sich nicht automatisch 1:1 auf das aktuelle Produkt übertragen. Ob das in der Praxis einen relevanten Unterschied macht, ist unklar. Viele Menschen in Deutschland nehmen das aktuelle VSL#3 und sind zufrieden damit.
Was kostet VSL#3 und wo kauft man am günstigsten?
VSL#3 gehört zu den teureren Probiotika auf dem Markt. Hier ein aktueller Preisüberblick (Stand Januar 2026):
| Packung | Preisrahmen | Pro Sachet |
|---|---|---|
| 10 Sachets | ca. 28-35 € | 2,80-3,50 € |
| 30 Sachets | ca. 64-80 € | 2,13-2,67 € |
| 3×30 Sachets | ca. 180-220 € | ca. 2,00 € |
Je größer die Packung, desto günstiger wird es pro Einheit. Bei einer Einnahme von 1 Sachet täglich über 3 Monate kommst du auf Kosten von etwa 180-240 Euro.
Günstige Bezugsquellen:
Die Preise schwanken je nach Anbieter deutlich. Aktuell (Januar 2026) findest du die 30er-Packung bei verschiedenen Online-Apotheken wie Beraterapotheke, Medikamente-per-Klick oder Shop-Apotheke zwischen 68 und 75 Euro. DocMorris lag zuletzt bei etwa 102 Euro für die gleiche Menge.
Direkt beim deutschen Vertreiber Heilpflanzenwohl gibt es Vorteilssets mit Ersparnis von bis zu 94 Euro beim Kauf mehrerer Packungen.
Achtung: Die Sachets sollten gekühlt gelagert werden (2-8°C). Bei Raumtemperatur (max. 25°C) sind sie nur etwa 7 Tage haltbar. Achte beim Versand auf gekühlte Lieferung.
Richtige Einnahme: Dosierung und praktische Tipps
Die empfohlene Menge liegt bei 1-2 Sachets pro Tag. In klinischen Studien wurden teilweise auch höhere Dosen verwendet, aber für den Heimgebrauch ist 1 Sachet täglich ein guter Startpunkt.
So nimmst du VSL#3 ein:
- Öffne das Sachet
- Rühre das Pulver in ein kaltes Getränk ein (Wasser, Apfelsaft, Hafermilch, Joghurt)
- Trinke die Mischung sofort
Wichtige Hinweise:
- Keine warmen Getränke verwenden (tötet die Bakterien ab)
- Keine kohlensäurehaltigen Getränke
- Bei gleichzeitiger Antibiotika-Einnahme: Die Bakterien können in ihrer Wirkung reduziert sein, aber es schadet nicht
- Mindestens 1-2 Stunden Abstand zu Antibiotika einhalten
Wie lange sollte man VSL#3 nehmen?
Eine typische Kur dauert 4-12 Wochen. Wer VSL#3 nach einer Antibiotika-Therapie einnimmt, sollte mindestens 3 Wochen dabei bleiben. Danach ist eine Reduktion auf 2-3 Einnahmen pro Woche zur Erhaltung möglich.
Mögliche Unannehmlichkeiten in den ersten Tagen
VSL#3 gilt als gut verträglich. Ernsthafte Probleme wurden in Studien kaum beobachtet. Was allerdings in den ersten Tagen auftreten kann:
Blähungen: Das häufigste Thema. Wenn 450 Milliarden neue Bakterien im Darm ankommen, kann das vorübergehend zu vermehrter Gasbildung führen. Das normalisiert sich in der Regel innerhalb von 3-7 Tagen, wenn sich das mikrobielle Gleichgewicht neu einpendelt.
Was tun bei Blähungen? Die tägliche Menge reduzieren und langsam steigern. Statt 1 Sachet täglich erstmal mit einem halben beginnen.
Wann sollte man VSL#3 nicht nehmen?
- Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber den Inhaltsstoffen
- Bei stark geschwächtem Immunsystem (Rücksprache mit dem Arzt)
- Bei akutem Durchfall mit Fieber oder Blut (erst ärztlich abklären)
- Bei akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung
Schwangere und Stillende können VSL#3 grundsätzlich einnehmen, sollten aber vorher mit ihrem Arzt sprechen.
Für wen kommt VSL#3 in Frage?
VSL#3 ist nicht für jeden das richtige Produkt. Hier eine ehrliche Einordnung:
Sinnvoll kann VSL#3 sein bei:
- Diagnostizierter Colitis ulcerosa (als Ergänzung zur Standardtherapie)
- Pouchitis oder nach Pouch-Anlage
- Reizdarmsyndrom, insbesondere mit Blähungen und Unwohlsein
- Nach längerer Antibiotika-Therapie zur Unterstützung der Darmflora
- Chronischen Verdauungsproblemen, die auf andere Probiotika nicht angesprochen haben
Weniger sinnvoll ist VSL#3:
- Als erstes Probiotikum für leichte gelegentliche Beschwerden (dann reichen günstigere Produkte)
- Bei Morbus Crohn (die Studienlage ist hier deutlich schwächer als bei Colitis ulcerosa)
- Wenn du keine kühle Lagerung gewährleisten kannst
- Wenn das Budget sehr begrenzt ist
Praxis-Rückmeldungen aus verschiedenen Quellen
Über verschiedene Online-Apotheken und Foren hinweg zeigt sich ein überwiegend positives Bild. Die Zufriedenheit liegt bei den meisten Anbietern bei 4,5-5 von 5 Sternen. Typische positive Aussagen:
- Verbesserung bei chronischem Durchfall nach wenigen Wochen
- Reduktion von Blähbauch und Völlegefühl
- Stabilere Verdauung nach Antibiotika-Kur
- Gastroenterologen empfehlen es oft bei Reizdarm
Was kritisch angemerkt wird:
- Der hohe Preis
- Die Notwendigkeit der Kühlung macht es für unterwegs unpraktisch
- Bei manchen wirkt es nicht (wie bei allen Probiotika individuell unterschiedlich)
- Anfängliche Blähungen können störend sein
In einem englischsprachigen Reddit-Thread zur Colitis ulcerosa gehen die Meinungen auseinander. Einige dort empfehlen explizit, auf Visbiome oder Vivomixx umzusteigen, um die klinisch getestete Originalformel zu erhalten. Andere nehmen weiterhin das aktuelle VSL#3 und sind damit zufrieden.
Alternativen zu VSL#3
Falls dir VSL#3 zu teuer ist oder du nach Alternativen suchst:
Vivomixx (Originalformel): Die De Simone Formel in Europa. Schwieriger zu bekommen, aber klinisch identisch mit dem ursprünglichen VSL#3.
Mutaflor (E. coli Nissle 1917): Gut untersucht für Reizdarm und Colitis ulcerosa. Enthält nur einen Stamm, ist aber deutlich günstiger.
Kijimea K53: Mit 53 Stämmen breit aufgestellt, allerdings niedriger dosiert. In Deutschland sehr populär.
Probiotische Joghurts: Für leichte Beschwerden eine Option, aber die Keimzahlen sind viel niedriger und die Stämme nicht für therapeutische Zwecke ausgewählt.
Fazit: Lohnt sich VSL#3?
VSL#3 ist ein hochwertig produziertes, hochdosiertes Probiotikum mit einer soliden wissenschaftlichen Basis. Die Stärken liegen klar im Bereich Pouchitis und als Ergänzung bei Colitis ulcerosa. Bei Reizdarm sind die Ergebnisse vielversprechend, aber nicht bei jedem erfolgreich.
Der hohe Preis relativiert sich, wenn du bedenkst, dass du bei einer 3-Monats-Kur etwa 2 Euro pro Tag ausgibst. Für ein klinisch untersuchtes Präparat mit 450 Milliarden Bakterien ist das vertretbar, wenn es dir hilft.
Was du wissen solltest: Die meisten Studien wurden mit der Originalformel durchgeführt, die heute als Visbiome oder Vivomixx verkauft wird. Das aktuelle VSL#3 enthält die gleichen Bakterienspezies, aber die Herstellung unterscheidet sich. Ob das in der Praxis relevant ist, bleibt offen.
Meine Empfehlung: Probiere VSL#3 für 4-6 Wochen aus, wenn du unter Reizdarm, Colitis ulcerosa oder anhaltenden Verdauungsproblemen leidest und andere Probiotika nicht geholfen haben. Sprich vorher mit deinem Arzt, besonders wenn du bereits in Behandlung bist. Und führe ein kurzes Tagebuch, um die Wirkung objektiv einschätzen zu können.
Häufige Fragen zu VSL#3
Für was ist VSL#3 gut?
VSL#3 wurde für die Unterstützung bei Darmbeschwerden entwickelt. Die beste Datenlage gibt es für Pouchitis (Entzündung nach Darmoperation) und als Ergänzung bei leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa. Auch bei Reizdarmsyndrom, Blähungen, chronischem Durchfall und nach Antibiotika-Kuren wird es eingesetzt.
Wie lange sollte man VSL#3 einnehmen?
Eine typische Kur dauert 4-12 Wochen. Nach einer Antibiotika-Therapie werden mindestens 3 Wochen empfohlen. Viele nehmen es dauerhaft 2-3 mal pro Woche als Erhaltungsdosis. Erste Verbesserungen zeigen sich oft nach 2-3 Wochen.
Kann man VSL#3 dauerhaft nehmen?
Ja, es sind keine Probleme bei langfristiger Einnahme bekannt. Viele Patienten mit chronischen Darmerkrankungen nehmen VSL#3 über Monate oder Jahre. Die Kosten sind dann allerdings erheblich, daher reduzieren viele auf 2-3 Sachets pro Woche zur Erhaltung.
Warum ist VSL#3 so teuer?
Der hohe Preis erklärt sich durch die extrem hohe Bakterienkonzentration (450 Milliarden KBE), die aufwendige Herstellung und die Notwendigkeit der gekühlten Lagerung. Außerdem floss viel Geld in klinische Studien. Durch Vorteilssets und größere Packungen lässt sich der Preis pro Einheit deutlich senken.
Zahlt die Krankenkasse VSL#3?
In der Regel nicht. VSL#3 ist als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft und keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Einzelne private Zusatzversicherungen übernehmen in manchen Fällen die Kosten. Bei ärztlicher Verordnung für spezielle Indikationen kann im Einzelfall eine Kostenübernahme beantragt werden.
Was ist der Unterschied zwischen VSL#3 und Visbiome?
Beide Produkte basieren auf der gleichen Idee, aber die Originalformel von Professor De Simone wird heute als Visbiome (USA) oder Vivomixx (Europa) verkauft. Das aktuelle VSL#3 wird mit einer modifizierten Rezeptur in Italien hergestellt. Ein US-Gericht stellte 2018 fest, dass die Produkte nicht identisch sind. Die klinischen Studien wurden überwiegend mit der Originalformel durchgeführt.
Kann ich VSL#3 zusammen mit Antibiotika nehmen?
Ja, aber mit 1-2 Stunden Abstand. Die gleichzeitige Einnahme schadet nicht, allerdings können die Antibiotika die Lebensfähigkeit der Bakterien in VSL#3 reduzieren. Viele Ärzte empfehlen, das Probiotikum auch nach Ende der Antibiotika-Therapie noch mindestens 2-3 Wochen weiterzunehmen.
Wie bewahre ich VSL#3 richtig auf?
Optimal bei 2-8°C im Kühlschrank. Bei Raumtemperatur (max. 25°C) sind die Sachets nur etwa 7 Tage haltbar. Für Reisen ist VSL#3 daher unpraktisch. Es gibt Kapselvarianten, die etwas stabiler sind, aber auch diese sollten kühl gelagert werden.
