Dienstag, Januar 20, 2026
GesundheitVorsicht! - Vitalkompass Neurosocken Check 2026

Vorsicht! – Vitalkompass Neurosocken Check 2026

Überall in den sozialen Netzwerken tauchen sie auf: Werbeanzeigen für sogenannte „Neurosocken“ von Vitalkompass.

Die Versprechen sind groß. Schmerzlinderung bei Neuropathie, bessere Durchblutung und das alles ganz ohne Medikamente. Dazu noch angebliche Ärzte aus München, die das Produkt entwickelt haben sollen. Aber stimmt das überhaupt?

Wenn du selbst unter Nervenschmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Füßen leidest, kennst du das wahrscheinlich: Man probiert alles aus, was irgendwie Linderung in Aussicht stellt.

Genau das machen sich manche Anbieter zunutze. Deshalb schauen wir uns heute genauer an, was wirklich hinter den Vitalkompass Neurosocken steckt und worauf du unbedingt achten solltest.

Was wird versprochen und wer steckt dahinter?

Die Werbung für die Vitalkompass Neurosocken erzählt eine emotionale Geschichte. Ein Münchner Physiotherapeut namens „Dr. Michael Bauer“ soll das Produkt entwickelt haben. Angeblich in Zusammenarbeit mit einer Münchner Uni-Klinik. Die Socken sollen durch Turmalin-Technologie und sanfte Kompression die Durchblutung fördern und so Neuropathie-Beschwerden lindern.

Ein Blick ins Impressum zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. Hinter Vitalkompass steht die Welington Media Limited mit Sitz in Hong Kong. Die Adresse lautet World Trust Tower, 50 Stanley Str., Central, Hong Kong. Als Geschäftsführer wird ein gewisser Xcao Young genannt. Von einer deutschen Firma oder einer Münchner Entwicklung ist im rechtlichen Kleingedruckten keine Rede.

Das wirft natürlich Fragen auf. Warum wird in der Werbung so stark der Eindruck erweckt, es handle sich um ein deutsches Qualitätsprodukt? Und warum ist im Impressum plötzlich Hong Kong als Firmensitz angegeben?

Was echte Kunden auf Trustpilot schreiben

Auf Trustpilot hat Vitalkompass aktuell eine durchwachsene Gesamtbewertung von 3,3 von 5 Sternen bei 39 Kundenrezensionen. Während einige zufrieden sind, häufen sich negative Rezensionen mit immer wiederkehrenden Punkten.

Ein Kunde schreibt: „Vom Namen her dachte ich, das sei eine deutsche Firma. Die Ware kommt aber aus China, trotz angekündigter Lagerware.“ Eine andere Kundin beschwert sich: „Die Neurosocken sind von minderwertiger Qualität, die Größenangaben passen auch nicht und der Preis ist völlig überteuert. Bei der Reklamation wurde mir mitgeteilt, ich müsse die Ware auf eigene Kosten zurückschicken. Zurück nach China.“

Das Problem mit der Rücksendung taucht in mehreren Rezensionen auf. Die Kosten für den Versand nach China können schnell 25 Euro oder mehr betragen. Bei einem Produktpreis von rund 60 Euro für zwei Paar Socken ist das ein erheblicher Anteil. Praktisch gesehen wird dadurch das beworbene Rückgaberecht stark eingeschränkt.

Was sagt die Wissenschaft zu Turmalin-Socken?

Die Idee hinter den Neurosocken wirkt auf den ersten Blick einleuchtend: Turmalin soll Körperwärme aufnehmen und als Infrarotstrahlung wieder abgeben. Das soll die Durchblutung verbessern. Aber gibt es dafür wissenschaftliche Belege?

Das unabhängige österreichische Portal Medizin-Transparent hat sich ähnliche Produkte genauer angeschaut. Ihr Fazit: Die Wirksamkeit von sogenannten Neurosocken ist wissenschaftlich weder belegt noch plausibel. Die vom Anbieter angeführten Studien erfüllen grundlegende Anforderungen an wissenschaftliche Untersuchungen nicht. Konkrete Zahlen und Details zur Durchführung fehlen meist komplett.

Auch der Neurologe Primar Raffi Topakian vom Klinikum Wels-Grieskirchen wird in Medienberichten zitiert: Die Technologie habe sich in der namhaften neuromuskulären Fachpresse nicht niedergeschlagen. Die Datenlage für die Behauptungen sei unzureichend. Vorübergehende Wohlfühleffekte durch eine Placebowirkung seien aber denkbar.

Anders sieht es bei der echten medizinischen Forschung aus. Die MedUni Wien hat tatsächlich eine smarte Socke namens „NeuroStep“ entwickelt, die mit gezielten elektrischen Impulsen bei diabetischer Neuropathie helfen soll. Diese wurde in Nature Communications publiziert und befindet sich noch in der Entwicklung. Das hat mit den hier beworbenen Turmalin-Socken absolut nichts zu tun.

Preisvergleich: Was kosten ähnliche Socken woanders?

Der reguläre Preis für die Vitalkompass Neurosocken liegt bei 119,90 Euro. Mit dem beworbenen „Restposten-Rabatt“ von 55% zahlt man immer noch 59,90 Euro für ein Paar. Auf Amazon und eBay findet man nahezu identische Turmalin-Socken mit Massagenoppen für einen Bruchteil des Preises. Dort kosten vergleichbare Produkte zwischen 6 und 15 Euro pro Paar.

Die Socken bei eBay werden übrigens direkt aus China verschickt. Das Material wird dort als Polyester-Baumwollmischung mit Silikagel-Noppen beschrieben. Die Produktbeschreibungen ähneln sich auffallend stark.

Typische Warnsignale bei dieser Art von Werbung

Die Vitalkompass-Werbung zeigt mehrere klassische Muster, die du auch bei anderen fragwürdigen Produkten wiederfinden wirst. Erstens die künstliche Dringlichkeit: „Nur heute 55% Rabatt“, „Lagerbestand fast ausverkauft“, Countdown-Timer auf der Webseite. Diese Aktion läuft aber scheinbar dauerhaft.

Zweitens der deutsche Schein: Die Werbung suggeriert stark ein deutsches Produkt mit Entwicklung in München. Das Impressum zeigt jedoch Hong Kong und die Ware kommt aus China.

Drittens die emotionalen Testimonials: Ausführliche Geschichten von zufriedenen Kunden mit vollem Namen und Fotos. Diese lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Viertens die schwammigen Gesundheitsversprechen: Im Disclaimer am Ende steht, dass die Produkte nicht zur Diagnose, Behandlung oder Heilung von Krankheiten bestimmt sind. Das widerspricht dem gesamten Werbetext davor.

Was du stattdessen bei Neuropathie tun kannst

Wenn du unter Neuropathie-Beschwerden leidest, ist der erste und wichtigste Schritt der Gang zum Arzt. Neuropathie kann viele Ursachen haben. Diabetes, Vitamin-B12-Mangel, Alkoholmissbrauch oder andere Erkrankungen. Nur wenn die Ursache bekannt ist, kann gezielt behandelt werden.

Reguläre medizinische Kompressionsstrümpfe können bei bestimmten Beschwerden tatsächlich helfen. Diese sollten aber vom Arzt verordnet und im Sanitätshaus angepasst werden. Sie unterliegen strengen Qualitätskontrollen und werden von den Krankenkassen bezuschusst.

Bewegung, Physiotherapie und in manchen Fällen auch Medikamente können die Symptome lindern. Die Verbraucherzentrale rät generell zur Vorsicht bei Produkten, die schnelle Heilung ohne Nebenwirkungen versprechen.

Lieber Finger weg

Die Vitalkompass Neurosocken kosten ein Vielfaches dessen, was vergleichbare Produkte anderswo kosten. Die wissenschaftliche Grundlage für die Wirkversprechen fehlt. Das Unternehmen sitzt in Hong Kong, nicht in Deutschland. Rücksendungen sind teuer und kompliziert. Und die Werbung arbeitet mit typischen Drückermethoden wie künstlicher Verknappung und emotionalen Geschichten.

Wenn du wirklich unter Neuropathie leidest, lass dich bitte von einem Facharzt beraten. Einfache Turmalin-Socken, falls du sie unbedingt ausprobieren möchtest, bekommst du für wenige Euro bei Amazon oder eBay. Die Erwartungen solltest du aber in beiden Fällen nicht zu hoch schrauben.

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