Dein Rücken macht morgens nicht mehr so richtig mit? Oder du wachst öfter auf als dir lieb ist? Dann könnte es an deiner Matratze liegen.
Guter Schlaf beginnt nämlich genau dort, wo du jede Nacht mehrere Stunden verbringst. Und mal ehrlich: Bei durchschnittlich acht Stunden pro Nacht verbringst du rund ein Drittel deines Lebens im Bett. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Die Auswahl an Matratzen ist riesig geworden. Kaltschaum, Federkern, Latex oder diese neuen Hybrid-Modelle? Online bestellen oder doch lieber im Laden Probe liegen? Und was ist eigentlich mit diesen ganzen Härtegrad-Kennzeichnungen, die am Ende doch nie korrekt sind?
In diesem Ratgeber findest du alles, was du für deine Kaufentscheidung brauchst. Von den aktuellen Prüfresultaten der Stiftung Warentest über die verschiedenen Matratzenarten bis hin zu praktischen Tipps, wie du das richtige Modell für deinen Körpertyp findest.
Bevor du dich durch endlose Produktseiten klickst, solltest du wissen, welche Matratzenart überhaupt zu deinen Schlafgewohnheiten funktioniert. Jedes Material hat seine Stärken und Schwächen.
Kaltschaummatratzen bestehen aus kalt aufgeschäumtem Polyurethan. Das Material passt sich gut an deinen Körper an und bietet eine ordentliche Wärmedämmung. Durch Belüftungskanäle und Einschnitte im Schaum entstehen verschiedene Liegezonen. Diese Modelle kommen für dich in Frage, wenn du eine anpassungsfähige Unterlage mit mittlerem bis weichem Liegegefühl suchst. Seiten- und Rückenschläfer fühlen sich hier meistens wohl. Weniger passend sind sie für Menschen, die nachts stark schwitzen oder es lieber richtig fest mögen.
Federkernmatratzen haben einen Kern aus Stahlfedern. Bei Bonnellfederkern sind die Federn miteinander verbunden, bei Taschenfederkern steckt jede Feder einzeln in einer kleinen Stofftasche. Das macht einen großen Unterschied: Taschenfederkern reagiert punktueller und gibt nicht gleich an der ganzen Fläche nach. Federkernmatratzen sind luftdurchlässig und fühlen sich eher fest an. Gut für Bauch- und Rückenschläfer sowie für alle, die nachts zum Schwitzen neigen. Wer orthopädische Unterstützung braucht oder sehr druckempfindlich ist, sollte eher zu anderen Modellen greifen.
Latexmatratzen punkten mit hoher Elastizität. Das Material gibt genau dort nach, wo dein Körper aufliegt, und kehrt danach schnell in seine Ursprungsform zurück. Latex passt sich gut an und ist langlebig. Der Nachteil: Diese Matratzen sind schwer und nicht sehr luftdurchlässig. Für Menschen mit empfindlichen Gelenken oder Rückenproblemen eine gute Wahl. Weniger passend für alle, die leicht schwitzen oder ihre Matratze regelmäßig wenden möchten.
Was zeigt die Stiftung Warentest aktuell?
Die Prüfresultate der Stiftung Warentest von 2025 und 2026 zeigen ein klares Bild: Gute Qualität muss nicht teuer sein. Die besten Modelle kosten zwischen 170 und 360 Euro. Durchgefallen ist keines der geprüften Produkte, aber einige kamen nicht über eine durchschnittliche Note hinaus.
Bei der Prüfung werden die Matratzen auf verschiedene Körpertypen geprüft. Die Stiftung Warentest unterscheidet dabei sieben Formen: Von der schmalen Säule über den breiten Schrank bis hin zum Kugelbauch. Jeder Typ wird in Seiten- und Rückenlage geprüft. Dazu kommen Härtemessungen im Labor, Schadstoffprüfungen und eine Haltbarkeitsprüfung, bei dem eine 140 Kilogramm schwere Walze eine achtjährige Nutzung simuliert.
Die f.a.n. Medisan Plus KS sticht dabei hervor: Auf dieser Kaltschaummatratze liegen alle Körpertypen rückenschonend. Der Preis liegt bei etwa 360 Euro. Das Modell hat einen speziellen Ortho-Cel-Kaltschaum mit sieben Zonen. Der Schaum ist offenporig, was die Luftzirkulation verbessert und Feuchtigkeit ableitet.
Die Ravensberger Komfort-San ist ebenfalls eine Kaltschaummatratze und liegt preislich bei rund 275 Euro. Sie nutzt HR-Kaltschaum mit Würfelschnittprofilierung. Das bedeutet: Verschiedene Einschnitte sorgen dafür, dass Schultern und Becken tiefer einsinken können, während Taille und Lendenbereich mehr Halt bekommen.
Bei den Federkernmatratzen überzeugt die Weida Flex Air von Breckle. Ihre Taschenfederkonstruktion mit unterschiedlich stark ausgebildeten Federn je nach Liegezone bietet abgestufte Einsinkbereiche. Oberhalb der Federn liegt eine Schicht atmungsaktiver Polyetherschaum.
Die günstigste Empfehlung aus der Prüfung ist die Älgdröm Lasse für etwa 170 Euro. Ein solides Modell, das zeigt: Auch mit kleinerem Budget kannst du gut schlafen.
Härtegrade: Warum die Kennzeichnungen oft falsch sind
H2, H3, H4. Diese Kennzeichnungen findest du auf fast jeder Matratze. Das Problem: Es gibt keine einheitliche Norm. Was bei einem Produzenten als H3 durchgeht, fühlt sich beim nächsten viel weicher oder härter an. Auch die Stiftung Warentest bestätigt das regelmäßig in ihren Laborprüfungen.
Als grobe Orientierung gilt: H2 (mittelweich) passt für Menschen zwischen 50 und 80 Kilogramm. H3 (mittelhart) ist für 80 bis 100 Kilogramm gedacht. H4 (hart) kommt für Menschen über 100 Kilogramm in Frage oder für alle, die ein sehr stabiles Liegegefühl bevorzugen.
Interessant dabei: Der Härtegrad sagt nichts über die Stützkraft aus. Eine weiche Matratze kann deiner Wirbelsäule genauso gut Halt geben wie eine harte. Es geht also auch um persönliche Vorlieben. Wenn du es weich magst und die Matratze trotzdem für deinen Körpertyp passend ist, spricht nichts dagegen.
Raumgewicht: Die Zahl, die wirklich zählt
Bei Kaltschaummatratzen gibt es einen Wert, der viel mehr aussagt als der Härtegrad: das Raumgewicht. Es wird in kg/m³ angegeben und steht in direktem Zusammenhang mit der Lebensdauer.
Ein gutes mittleres Raumgewicht liegt zwischen 35 und 45 kg/m³. Hochwertige Matratzen haben ein Raumgewicht ab 50 kg/m³. Günstige Modelle liegen oft bei 25 kg/m³ oder darunter. Bei so niedrigen Werten ist die Matratze nach zwei bis drei Jahren durchgelegen.
Viele Anbieter verschweigen das Raumgewicht bewusst. Wenn du den Wert nicht findest, frag direkt nach. Ein vertrauenswürdiger Verkäufer wird dir die Information geben.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Das Probe liegen im Laden gibt dir einen ersten Eindruck. Aber ob du auf einer Matratze wirklich gut schläfst, merkst du erst nach mehreren Nächten. Deshalb haben viele Händler mittlerweile Probeschlaf-Zeiträume an. Bei manchen kannst du die Matratze 90 Tage ausprobieren, bei anderen sogar ein ganzes Jahr. Nutze dieses Angebot.
Ein paar weitere Punkte für deine Checkliste:
Der Bezug sollte waschbar sein und in der Maschine nicht einlaufen. Die meisten Bezüge vertragen 60 Grad, was für Hygiene sorgt. Achte auch auf Tragegriffe, die das Wenden erleichtern.
Bei Duo-Matratzen hast du zwei verschiedene Liegeseiten mit unterschiedlicher Härte. Das wirkt auf den ersten Blick praktisch, ist aber nicht für jeden sinnvoll. Wenn du weißt, was du brauchst, bist du mit einer normalen Matratze oft besser bedient.
Wenn du deine Matratze direkt auf den Boden legst statt auf einen Lattenrost, solltest du bedenken: Der Verschleiß ist höher, weil die Matratze stärker durchgerieben wird. Ein elastischer Lattenrost fängt den Druck besser ab.
Bei Zonierung gilt: Eine durchdachte Einteilung kann helfen, ist aber keine Garantie für gute Liegeeigenschaften. Manche Matratzen ohne ausgeprägte Zonen schneiden bei Prüfungen besser ab als hochzonierte Modelle.
Online kaufen oder im Laden?
Beide Wege haben ihre Berechtigung. Im Laden kannst du verschiedene Modelle direkt vergleichen und bekommst Beratung. Online hast du oft mehr Auswahl und profitierst von Widerrufsrechten.
Die großen Online-Anbieter wie Bett1 oder Emma sind durch ihre Werbung bekannt geworden. Die Bodyguard-Matratze von Bett1 hat bei Prüfungen durchaus gute Resultate erzielt. Trotzdem solltest du nicht nur auf Marketing setzen. Lies dir echte Kundenmeinungen durch, zum Beispiel auf Trustpilot oder in Foren. Da findest du auch Kritikpunkte, die in der Werbung nicht vorkommen.
Ein Tipp aus der Praxis: Wenn dir eine Matratze zu hart vorkommt, gib ihr ein paar Wochen Zeit. Der Körper muss sich umgewöhnen. Wenn du nach vier Wochen immer noch schlecht schläfst, tausche sie um.
Welche Modelle passen zu welchem Schlaftyp?
Kleine und leichte Menschen können auf fast allen Matratzen gut schlafen. Schwieriger wird es bei speziellen Körperformen oder höherem Gewicht.
Breite Schultern brauchen eine Matratze, die in Seitenlage tief einsinkt. Menschen mit Bauch brauchen eher Abstützung an der Taille. Das Ziel ist immer dasselbe: In Seitenlage soll die Wirbelsäule möglichst gerade liegen. In Rückenlage soll sie ihre natürliche Doppel-S-Form behalten.
Wenn du hauptsächlich auf dem Rücken schläfst, sind Federkernmatratzen oft eine gute Wahl. Seitenschläfer kommen mit Kaltschaum meist besser zurecht, weil das Material an Schulter und Hüfte stärker nachgibt. Bauchschläfer brauchen ähnliche Eigenschaften wie Rückenschläfer: eine feste Stütze im Beckenbereich, damit kein Hohlkreuz entsteht.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine Matratze wechseln?
Nach etwa acht Jahren ist bei den meisten Modellen die Zeit gekommen. Bei niedrigem Raumgewicht kann es auch schon nach fünf Jahren so weit sein. Wenn du merkst, dass sich Liegekuhlen gebildet haben oder du morgens verspannt aufwachst, ist das ein Zeichen.
Muss ich einen Lattenrost dazu kaufen?
Ein Lattenrost ist nicht zwingend nötig, verlängert aber die Lebensdauer deiner Matratze. Ein einfacher starrer Rost reicht oft aus. Teure federnde Lattenroste bringen selten echten Mehrwert.
Was ist mit Allergikern?
Kaltschaummatratzen passen gut für Hausstauballergiker, weil Milben im dichten Schaum kaum Lebensraum finden. Achte zusätzlich auf einen waschbaren Bezug und nutze einen Encasing-Überzug.
Lohnen sich teure Matratzen?
Nicht automatisch. Die teuerste Matratze bei der Prüfung hat schlecht abgeschnitten. Bei Modellen um die 300 Euro bekommst du bereits sehr gute Qualität. Mehr ausgeben lohnt sich nur, wenn du spezielle Anforderungen hast.
Was bedeutet viskoelastisch?
Viskoelastischer Schaum reagiert auf Körperwärme und passt sich langsam an. Das Einsinken fühlt sich anders an als bei normalem Kaltschaum. Manche mögen das, andere finden es unangenehm, weil die Matratze beim Umdrehen kurz die alte Form behält.
Die richtige Matratze zu finden ist keine Wissenschaft, aber auch kein Schnellkauf. Nimm dir Zeit, nutze Probeschlaf-Angebote und lass dich nicht von Marketingversprechen blenden. Gute Modelle gibt es schon ab 170 Euro.
Entscheidend ist, dass die Matratze zu deinem Körpertyp und deinen Schlafgewohnheiten passt.
Wenn du unsicher bist, orientiere dich an den Prüfresultaten der Stiftung Warentest und achte bei Kaltschaummatratzen auf das Raumgewicht. Mit diesen Informationen bist du besser vorbereitet als die meisten Menschen imMatratzenladen.
