Stammzellen aus der Nabelschnur einfrieren und für den Ernstfall aufbewahren, das ist das Kerngeschäft von Vita 34 aus Leipzig.
Die Firma gibt es seit 1997, sie gehört mittlerweile zur polnischen FamiCord AG und lagert nach eigenen Zahlen über 230.000 Proben aus mehr als 20 Ländern.
Was steckt wirklich dahinter, und wie zufrieden sind Eltern, die dort gebucht haben?
Denn bei Preisen ab 1.390 Euro willst du natürlich wissen, ob das Geld gut angelegt ist.
Eines gleich vorweg: Die Einlagerung von Nabelschnurblut ist in der Fachwelt nicht unumstritten. Es gibt Mediziner und Journalisten, die das Geschäftsmodell grundsätzlich hinterfragen.
Dazu komme ich weiter unten noch ausführlich. Gleichzeitig gibt es dokumentierte Fälle, in denen eingelagertes Nabelschnurblut tatsächlich bei Transplantationen zum Einsatz kam und Kindern geholfen hat. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen.
Was mir beim Recherchieren aufgefallen ist: Die meisten deutschsprachigen Artikel zu diesem Thema lesen sich entweder wie Werbetexte oder wie Totalverrisse.
Einen ehrlichen Überblick, der beides abwägt und dir alle Infos gibt, die du für eine informierte Entscheidung brauchst, findest du selten. Genau das will ich mit diesem Text liefern.
Was steckt hinter Vita 34?
Vita 34 wurde 1997 in Leipzig als erste private Nabelschnurblutbank Europas gegründet. Der Firmensitz ist immer noch dort, in der Perlickstraße 5. Rund 100 Mitarbeiter kümmern sich um die gesamte Kette: von der Entnahmelogistik über die Aufbereitung im GMP-zertifizierten Labor bis zur Kryokonservierung bei minus 180 Grad Celsius.
Seit einigen Jahren gehört Vita 34 zur FamiCord AG, einem internationalen Stammzellbank-Konzern mit polnischen Wurzeln. Das Unternehmen firmiert formal als FamiCord AG, der Markenname Vita 34 bleibt aber bestehen. Im Vorstand sitzen Jakub Baran als CEO, Thomas Pfaadt als CFO, Dr. Cornelia Wittke-Kothe als CCO und Tomasz Baran als CMO.
Was wird eingelagert?
Vita 34 unterscheidet zwei Produkte:
- Nabelschnurblut: Enthält Blutstammzellen (hämatopoetische Stammzellen), die seit Jahrzehnten bei Blutbildungsstörungen wie Leukämie, Anämie oder Immunsystemerkrankungen transplantiert werden. Weltweit wurden Nabelschnurblut-Stammzellen nach Firmenaussage bereits über 60.000-mal medizinisch genutzt.
- Nabelschnurgewebe: Enthält mesenchymale Stammzellen, die in der regenerativen Medizin erforscht werden. Klinische Studien laufen beispielsweise zu Gelenkerkrankungen. Das ist aber noch Zukunftsmusik, keine etablierte Therapie.
Ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem Vita 34 auftrumpft: die sogenannte Familienoption. Damit können eingelagerte Stammzellen im Bedarfsfall auch für Geschwisterkinder genutzt werden. Dieses Angebot gibt es lediglich bei Vita 34, so die Firma selbst.
Was kostet die Einlagerung bei Vita 34?
Die Preise starten ab 1.390 Euro. Je nachdem, ob du nur Nabelschnurblut oder zusätzlich Nabelschnurgewebe einlagern willst und welche Laufzeit du wählst, kann der Preis deutlich höher ausfallen. Auf der Website gibt es einen Konfigurator, mit dem du dir dein individuelles Paket zusammenstellen kannst.
Ein paar Punkte zu den Kosten, die du im Blick behalten solltest:
- Manche Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten. In Forenbeiträgen taucht immer wieder auf, dass einzelne Kassen bis zu 200 Euro beigesteuert haben. Das ist aber keine Regel, sondern Einzelfall.
- Es gibt ein Eltern-werben-Eltern-Programm: 150 Euro Rabatt für die neuen Kunden und 150 Euro Prämie für dich.
- Im Vergleich zu früher sind die Preise gestiegen. Ein Kunde schrieb auf eKomi, dass innerhalb von drei Jahren der Servicezeitraum von 25 auf 18 Jahre gekürzt, die Gebühr aber gleichzeitig angehoben wurde. Das sorgte für Unzufriedenheit.
Zum Vergleich: Andere Anbieter wie Seracell sind teilweise günstiger, kommen aber bei vergleichbaren Leistungen oft auf ähnliche Endpreise. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und nicht nur den Einstiegspreis zu vergleichen.
Wie bewerten Kunden Vita 34 auf verschiedenen Plattformen?
Die Kundenmeinungen zu Vita 34 sind je nach Plattform extrem unterschiedlich. Das macht die Einschätzung gar nicht so leicht.
eKomi: Fast durchweg positiv
Auf eKomi hat Vita 34 das Gold-Siegel mit einer Weiterempfehlungsrate von 98,83 % bei insgesamt 2.387 abgegebenen Rezensionen. Die Kommentare drehen sich vor allem um den reibungslosen Bestellprozess, kompetente telefonische Beratung und ein gutes Gesamtgefühl.
Typische positive Punkte:
- Freundlicher und kompetenter Kundenservice am Telefon
- Einfacher Bestellvorgang
- Schnelle Lieferung der Entnahmebox
- Vertrauenswürdiger Gesamteindruck
Trustpilot: Deutlich gemischter
Auf Trustpilot sieht das Bild anders aus. Dort steht Vita 34 bei 3,1 von 5 Sternen bei nur 7 Rezensionen. Das ist statistisch natürlich wenig aussagekräftig, zeigt aber, dass nicht alle zufrieden sind.
Ein dänischer Kunde mit drei eingelagerten Proben über 20 Jahre schrieb, dass er keinerlei Informationsschreiben über Forschungsfortschritte erhalten habe und auf Kontaktversuche keine Antwort bekam. Vita 34 hat auf die Kritik geantwortet und den Kunden an den dänischen Kundenservice verwiesen.
Auf der positiven Seite gibt es eine Kundin, die den Service ausdrücklich empfiehlt und sowohl die Beratung als auch den Ablauf als einwandfrei beschreibt. Eine anonyme Bewertung geht sogar so weit zu sagen, die Einlagerung habe dem eigenen Kind das Leben gerettet.
Elternforen: Geteilte Meinungen
In Elternforen wie urbia.de finden sich gemischte Eindrücke. Manche Eltern empfehlen Vita 34 aufgrund der Insolvenzversicherung, der Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Möglichkeit, das Labor zu besichtigen. Andere weisen darauf hin, dass günstigere Anbieter wie Seracell im Grunde das gleiche machen und der höhere Preis bei Vita 34 teilweise in die Werbung fließe.
Ein wiederkehrender Punkt in den Foren: Nicht jede Geburtsklinik arbeitet mit jedem Anbieter zusammen. Es kann also sein, dass dir die Wahl zwischen Vita 34 und Seracell durch deine Klinik abgenommen wird. Das solltest du frühzeitig klären.
Kritische Perspektiven: Ist das Ganze sein Geld wert?
Jetzt kommt der Teil, den die meisten Artikel zu diesem Thema gern auslassen. Denn es gibt durchaus ernst zu nehmende Gegenargumente zum privaten Einlagern von Nabelschnurblut.
Der Spiegel-Bericht über „Geschäfte mit Elternangst“
Der Spiegel hat bereits vor Jahren einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, in dem das Geschäftsmodell privater Nabelschnurblutbanken kritisch beleuchtet wird. Der Kern der Argumentation: Eltern werden mit dem Versprechen auf zukünftige medizinische Durchbrüche gelockt, obwohl die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, das eigene Nabelschnurblut jemals zu brauchen, extrem gering ist.
Medizinische Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, stehen der privaten Einlagerung ebenfalls zurückhaltend gegenüber. Ihre Argumentation: Für die allermeisten Krankheiten, bei denen Stammzelltransplantationen helfen können, wird Fremdspender-Material bevorzugt, weil autologe Transplantationen (also mit eigenem Material) bei Blutkrebs beispielsweise die Gefahr bergen, dass die gleichen genetischen Defekte schon in den eingelagerten Zellen stecken.
Was dafür spricht
Fairerweise muss man auch die andere Seite sehen:
- Bei Geschwisterkindern kann eingelagertes Nabelschnurblut tatsächlich als Spendermaterial dienen. Die Erfolgsgeschichten auf der Vita-34-Website zu Kindern wie Kacper, Antek oder Olek sind real und dokumentiert.
- Die regenerative Medizin macht Fortschritte. Ob und wann eingelagerte Stammzellen für neue Therapien nutzbar werden, kann heute niemand seriös vorhersagen, weder die Befürworter noch die Kritiker.
- Es ist eine einmalige Gelegenheit: Nabelschnurblut kann nur direkt nach der Geburt gewonnen werden. Danach ist die Chance vorbei.
Realistische Einschätzung
Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind die eigenen eingelagerten Stammzellen in den nächsten 20 Jahren tatsächlich braucht, ist statistisch sehr niedrig. Die Einlagerung ist eine Art Versicherung für einen unwahrscheinlichen, aber potenziell schwerwiegenden Fall. Ob dir das 1.390 Euro oder mehr wert ist, musst du am Ende selbst entscheiden.
Was du nicht machen solltest: Dich von Angst leiten lassen. Und genauso wenig solltest du das Thema komplett abtun, nur weil einige Medien es als Geldmacherei darstellen. Die Wahrheit ist differenzierter.
Ablauf der Einlagerung: So funktioniert es Schritt für Schritt
Falls du dich für Vita 34 entscheidest, ist der Prozess relativ unkompliziert:
- Anmeldung und Beratung: Du meldest dich online an oder buchst ein Beratungsgespräch. Danach füllst du einen medizinischen Fragebogen aus.
- Entnahmebox erhalten: Rechtzeitig vor dem Geburtstermin bekommst du eine Entnahmebox zugeschickt. Die musst du dann in die Klinik mitnehmen.
- Entnahme bei der Geburt: Das Klinikpersonal entnimmt das Nabelschnurblut direkt nach der Geburt. Das ist schmerzfrei und hat keinen Einfluss auf den Geburtsverlauf.
- Transport und Aufbereitung: Die Probe wird ins Labor nach Leipzig transportiert, dort aufbereitet und in Kryotanks bei minus 180 Grad Celsius eingelagert.
Wichtig: Du musst vorher klären, ob deine Geburtsklinik mit Vita 34 zusammenarbeitet. Nicht alle Krankenhäuser machen das. Auf der Vita-34-Website gibt es einen Klinikfinder dafür.
Vita 34 vs. Alternativen: Wie schneidet der Anbieter ab?
Neben Vita 34 gibt es in Deutschland vor allem Seracell als Alternative. In Elternforen wird oft diskutiert, dass Seracell beim Einstiegspreis günstiger ist, aber bei vergleichbaren Leistungspaketen ähnlich teuer wird.
Unterschiede, die eine Rolle spielen können:
- Familienoption: Gibt es so nur bei Vita 34
- Laborstandort: Vita 34 verarbeitet und lagert in Leipzig, also in Deutschland
- Aufbereitungsverfahren: Vita 34 und Seracell arbeiten mit unterschiedlichen Verfahren, wobei in Foren die Aufbereitung bei Vita 34 teilweise als hochwertiger eingeschätzt wird
- Unternehmensgröße: Vita 34 / FamiCord ist Europas größte Stammzellbank mit über einer Million Proben
Es gibt auch öffentliche Nabelschnurblutbanken, die kostenlos sind. Das gespendete Blut steht dann aber nicht exklusiv deinem Kind zur Verfügung, sondern wird dem allgemeinen Register zugeführt. Für wen das eine Option ist: Die DKMS und das Deutsche Rote Kreuz vermitteln solche Spenden.
Für wen kann die Einlagerung sinnvoll sein?
Nicht für jede Familie ergibt die private Einlagerung den gleichen Sinn. Ein paar Szenarien, in denen der Nutzen tendenziell höher ist:
- Familien mit mehreren Kindern oder Kinderwunsch: Die Familienoption und die Möglichkeit, Geschwistern als Spender zu dienen, erhöhen den potenziellen Nutzen deutlich.
- Familien mit erblichen Vorbelastungen: Wenn in der Familie Bluterkrankungen oder Immundefekte vorkommen, kann die Einlagerung eine zusätzliche Absicherung sein.
- Eltern, die eine „Versicherung“ für unwahrscheinliche Fälle wollen: Ähnlich wie bei einer Zahnzusatzversicherung, die man hoffentlich nie braucht.
Eher weniger sinnvoll ist es, wenn du knapp bei Kasse bist und die 1.390 Euro anderweitig dringender gebraucht werden. Oder wenn du erwartest, dass das eingelagerte Blut dein Kind garantiert vor jeder Krankheit schützt. Das kann es nicht.
Häufige Fragen zu Vita 34
Wie lange werden die Stammzellen aufbewahrt?
Je nach gewähltem Paket zwischen 18 und 50 Jahren. Die Laufzeiten und zugehörigen Preise haben sich in den letzten Jahren geändert, deshalb lohnt sich ein Blick in den aktuellen Konfigurator auf der Website.
Ist die Entnahme von Nabelschnurblut gefährlich?
Nein. Die Entnahme erfolgt nach der Geburt aus der abgetrennten Nabelschnur. Sie ist komplett schmerzfrei für Mutter und Kind und beeinflusst den Geburtsverlauf nicht.
Was passiert, wenn Vita 34 insolvent geht?
Es gibt eine Insolvenzversicherung, die die Einlagerung auch im Fall einer Unternehmenspleite für einen festgelegten Zeitraum absichern soll. Das war auch ein Punkt, der in Elternforen positiv aufgefallen ist.
Muss mein Kind sofort abgenabelt werden?
Nein. Ein verzögertes Abnabeln (Delayed Cord Clamping) ist mit der Nabelschnurblutentnahme grundsätzlich vereinbar, auch wenn dadurch etwas weniger Blut gewonnen wird. Das solltest du im Vorfeld mit deiner Hebamme oder deinem Geburtshelfer besprechen.
Kann ich die Stammzellen auch spenden statt privat einlagern?
Ja. Öffentliche Nabelschnurblutbanken nehmen Spenden entgegen und stellen das Material dem allgemeinen Stammzellregister zur Verfügung. Die Spende ist kostenlos, aber das Blut steht dann nicht mehr exklusiv deinem Kind zur Verfügung.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
In der Regel nicht. Manche gesetzliche und private Kassen zahlen aber freiwillig einen Zuschuss. Es lohnt sich, vorher bei deiner Kasse nachzufragen.
Mein Fazit: Augen auf, aber nicht abschrecken lassen
Vita 34 ist kein Wunderprodukt und die Einlagerung keine Garantie für irgendwas. Aber es ist auch kein Abzocke-Modell, wie manche es darstellen. Das Unternehmen existiert seit über 25 Jahren, hat ein GMP-zertifiziertes Labor in Deutschland und wurde 2025 als beste Stammzellbank Europas ausgezeichnet.
Die Kundenzufriedenheit ist auf eKomi sehr hoch, auf Trustpilot durchwachsen (bei sehr wenigen Rezensionen) und in Elternforen gespalten. Kritische Medienberichte wie der vom Spiegel oder die Einordnung bei Focus solltest du dir durchlesen, bevor du eine Entscheidung triffst.
Am Ende ist es eine persönliche Abwägung: Wie viel ist dir die theoretische Absicherung wert? Wenn du mit 1.390 Euro kein Problem hast und vor allem bei Geschwisterkonstellationen einen echten Mehrwert siehst, kann Vita 34 eine durchaus solide Wahl sein. Wenn du skeptisch bist, informier dich in Ruhe, nutze das kostenlose Webinar und die Beratungshotline (0800 034 00 00) und lass dich nicht unter Druck setzen.
