Die eigene Herkunft per Speichelprobe entschlüsseln – was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist heute für unter 50 Euro möglich.
Anbieter wie AncestryDNA, MyHeritage und tellmeGen versprechen detaillierte Einblicke in die ethnische Abstammung, DNA-Matches mit unbekannten Verwandten und sogar gesundheitliche Veranlagungen.
Aber wie seriös sind diese DNA-Tests wirklich? Stimmen die Ergebnisse? Und welcher Anbieter lohnt sich am meisten? Ich habe mir die drei großen Plattformen im Detail angeschaut – inklusive echter Nutzererfahrungen von Amazon, Trustpilot und Fachforen.
Wie funktioniert ein DNA-Herkunftstest?
Das Prinzip ist bei allen Anbietern gleich: Du bestellst ein Test-Kit, gibst eine Speichelprobe ab und schickst sie per vorfrankiertem Rückumschlag ins Labor. Nach vier bis acht Wochen bekommst du deine Ergebnisse online angezeigt. Getestet wird dabei die sogenannte autosomale DNA – also jener Teil des Erbguts, den du von beiden Elternteilen geerbt hast.
Wichtig zu verstehen: Es wird nicht deine gesamte DNA sequenziert. Stattdessen werden bestimmte genetische Marker (sogenannte SNPs) analysiert und mit Referenzdatenbanken verglichen. Je größer die Datenbank eines Anbieters, desto genauer und differenzierter können die Ergebnisse ausfallen. Genau hier unterscheiden sich die Anbieter erheblich.
AncestryDNA: Der Marktführer im Detail
AncestryDNA ist der weltweit größte Anbieter für DNA-Herkunftstests und gehört zum amerikanischen Genealogie-Konzern Ancestry, der von Irland aus operiert. Das Unternehmen verfügt über die größte DNA-Datenbank weltweit, was die Chancen auf verwandtschaftliche Matches deutlich erhöht.
AncestryDNA auf einen Blick
🧬 Über 2.600 Herkunftsregionen weltweit
💰 Aktuell ab 49 € (statt 69 €, Aktion bis 23.02.2026)
⏱️ Ergebnisse nach ca. 6–8 Wochen
⭐ Amazon: 4,3 / 5 Sterne (842 Bewertungen)
⭐ Trustpilot: 3,2 / 5 Sterne (637 Bewertungen)
🔬 SideView-Technologie zur Aufschlüsselung nach Elternteil
Die große Stärke von AncestryDNA liegt in der Kombination aus DNA-Analyse und Ahnenforschung. Wer zusätzlich eine Mitgliedschaft abschließt, kann seine DNA-Ergebnisse mit historischen Dokumenten, Kirchenbüchern und Millionen von Stammbäumen verknüpfen. Die sogenannte ThruLines-Funktion zeigt dabei automatisch, wie DNA-Matches mit dem eigenen Stammbaum zusammenhängen.
Was sagen Nutzer über AncestryDNA?
Die Erfahrungen sind gemischt – und das spiegelt sich in der Trustpilot-Bewertung von 3,2 Sternen wider. Auf Amazon fällt die Bewertung mit 4,3 Sternen deutlich besser aus. Die häufigsten Kritikpunkte betreffen die Ethnizitätsschätzungen, die sich nach Updates teilweise stark verändern können. Ein Nutzer berichtet beispielsweise, dass seine 30 % Balkan-DNA nach einem Update komplett verschwunden sei. Ancestry erklärt das mit verbesserten Referenzdatenbanken – für Nutzer ist es trotzdem irritierend.
Die positiven Erfahrungen überwiegen allerdings: Viele Nutzer loben die einfache Handhabung und die detaillierten Ergebnisse. Eine besonders berührende Rezension auf Amazon erzählt von einem Mann, der durch AncestryDNA nach 60 Jahren Suche Geschwister in den USA gefunden hat. Erfahrene Genealogen in Fachforen bestätigen, dass selbst DNA-Matches mit sehr geringer Übereinstimmung (um die 10 cM) korrekt sein können und bis zu 10–12 Generationen zurückreichen.
MyHeritage: Die europäische Alternative
MyHeritage wurde 2003 in Israel gegründet und hat sich zu einer der weltweit führenden Genealogie-Plattformen entwickelt. Mit 90 Millionen Nutzern, 14 Milliarden historischen Aufzeichnungen und 80 Millionen Stammbäumen ist MyHeritage besonders in Europa stark vertreten – ein Pluspunkt für deutschsprachige Nutzer.
MyHeritage auf einen Blick
🧬 DNA-Matches + Ethnizitätsschätzung
💰 DNA-Kit ab ca. 49 €
⏱️ Ergebnisse nach ca. 3–4 Wochen
⭐ Trustpilot: 4,3 / 5 Sterne (85.341 Bewertungen)
📸 KI-Fotobearbeitung: Kolorierung, Reparatur, Animation
🌍 42 Sprachen, starke europäische Nutzerbasis
Was MyHeritage besonders interessant macht, sind die innovativen Foto-Funktionen: Mit „Deep Nostalgia“ lassen sich alte Familienfotos animieren, „MyHeritage In Color“ koloriert Schwarz-Weiß-Aufnahmen und die Repair-Funktion retuschiert beschädigte Bilder. Wer Ahnenforschung nicht nur als Datenbanksuche, sondern als lebendiges Familienprojekt betreibt, bekommt hier viel geboten.
Allerdings gibt es auch Kritik: MyHeritage arbeitet mit einem Freemium-Modell, bei dem viele Funktionen ein kostenpflichtiges Abonnement erfordern. Einige Nutzer berichten von intransparenter Preisgestaltung und Schwierigkeiten bei der Kündigung. 2017 gab es zudem ein größeres Datenleck, bei dem E-Mail-Adressen und Passwort-Hashes von 92 Millionen Nutzern betroffen waren – ein Vorfall, den man im Hinterkopf behalten sollte.
Erfahrungen mit MyHeritage
Mit 4,3 Sternen bei über 85.000 Bewertungen auf Trustpilot schneidet MyHeritage deutlich besser ab als Ancestry. Besonders häufig gelobt wird der Kundenservice, der sich aktiv um Problemlösungen bemüht. Erfahrene Genealogen warnen allerdings, dass die Matching-Qualität bei MyHeritage etwas schwächer sein kann als bei Ancestry – es gibt mehr falsch-positive Treffer, besonders bei hochgeladenen Rohdaten von anderen Anbietern.
tellmeGen: Der Gesundheits-Spezialist
tellmeGen ist ein spanischer Anbieter, der sich vom reinen Herkunftstest abhebt: Neben der Abstammungsanalyse liefert tellmeGen umfangreiche Gesundheitsberichte mit über 400 aktualisierten Berichten zu Erkrankungsrisiken, Medikamentenverträglichkeit und Wellness-Eigenschaften.
tellmeGen auf einen Blick
🧬 Herkunft + Gesundheit + Wellness + Eigenschaften
💰 Starter ab 89 € / Advanced ab 149 €
⭐ Trustpilot: 4,3 / 5 Sterne (171 Bewertungen)
⭐ Amazon: 4,3 / 5 Sterne (1.167 Bewertungen für Advanced)
🏥 Über 400 Gesundheits- und Eigenschaftsberichte
Wer sich weniger für Stammbaum-Forschung und mehr für gesundheitliche Veranlagungen interessiert, findet bei tellmeGen das umfangreichste Angebot. Der Advanced-Test analysiert beispielsweise genetische Risiken für bestimmte Erkrankungen, Unverträglichkeiten und sogar die Verstoffwechselung von Medikamenten. Ein erfahrener Amazon-Nutzer berichtet, dass er über die genetischen Rohdaten (die man auch von Ancestry herunterladen kann) seltene Stoffwechselprobleme identifizieren konnte, die ein deutsches Labor übersehen hatte.
Allerdings ist die Verwandten-Datenbank von tellmeGen deutlich kleiner als die von Ancestry oder MyHeritage. Wer primär nach unbekannten Verwandten suchen möchte, ist bei den anderen beiden Anbietern besser aufgehoben.
Der große Vergleich: Ancestry vs. MyHeritage vs. tellmeGen
| Kriterium | AncestryDNA | MyHeritage | tellmeGen |
|---|---|---|---|
| Preis (Basis) | ab 49 € | ab 49 € | ab 89 € |
| Herkunftsregionen | 2.600+ | 2.114+ | k.A. |
| DNA-Datenbank | Größte weltweit | 7,4 Mio. DNA-Datensätze | Kleiner |
| Gesundheitsberichte | Nein (nur Veranlagungen ab 59 €) | Nein | ✅ 400+ Berichte |
| Stammbaum-Integration | ✅ Sehr stark | ✅ Stark | ❌ |
| Trustpilot-Bewertung | 3,2 ⭐ (637) | 4,3 ⭐ (85.341) | 4,3 ⭐ (171) |
| Stärke für Europa | Gut (USA-lastig) | ✅ Sehr gut | Gut |
| Ergebnisdauer | 6–8 Wochen | 3–4 Wochen | 4–6 Wochen |
Wie genau sind DNA-Herkunftstests wirklich?
Das ist die zentrale Frage, die viele Nutzer beschäftigt – und die Antwort ist differenziert. Die Erfahrungen aus Fachforen wie dem Genealogie-Forum zeigen: DNA-Matches mit Verwandten sind erstaunlich zuverlässig. Selbst Übereinstimmungen von nur 6–13 cM (Centimorgan) konnten von erfahrenen Ahnenforschern verifiziert werden, teilweise bis zu 10–12 Generationen zurück. Ein Nutzer konnte einen gemeinsamen Vorfahren von 1846 nachweisen – bei einer Übereinstimmung von nur 11 cM.
Die Ethnizitätsschätzungen hingegen sollte man mit Vorsicht genießen. Mehrere Nutzer berichten, dass sich ihre Herkunftsanteile nach Updates drastisch verändert haben. Das liegt daran, dass die Anbieter ihre Referenzdatenbanken laufend erweitern und die Algorithmen anpassen. Für jemanden mit rein europäischen Vorfahren sind die Ergebnisse oft ungenau, weil die genetischen Unterschiede innerhalb Europas gering sind. Wer hingegen Vorfahren aus verschiedenen Kontinenten hat, bekommt in der Regel aussagekräftigere Ergebnisse.
Profi-Tipp aus dem Genealogie-Forum: Die Rohdaten von Ancestry oder MyHeritage lassen sich bei Drittanbietern wie MTHFR Genetics, Self Decode oder Nutrahacker auswerten – für umfangreiche Gesundheitsanalysen zu einem Bruchteil der Kosten eines medizinischen Gentests. Ein Nutzer konnte damit Vitamin-B12-Stoffwechselprobleme und eine seltene Lebererkrankung identifizieren.
Worauf du vor dem Kauf achten solltest
Datenschutz: Alle drei Anbieter speichern deine genetischen Daten. Ancestry und MyHeritage operieren unter DSGVO-Bedingungen, allerdings hat das Magazin c’t in der Vergangenheit Kritik an der Datenschutzpraxis geäußert. Überlege dir gut, ob du mit der Speicherung deiner DNA-Daten auf Servern eines kommerziellen Anbieters einverstanden bist.
Unerwünschte Entdeckungen: Ein Punkt, den viele unterschätzen. DNA-Tests können Familiengeheimnisse aufdecken – uneheliche Kinder, unbekannte Halbgeschwister oder die Erkenntnis, dass der biologische Vater nicht der ist, den man immer dachte. Erfahrene Ahnenforscherin schreiben dazu in Foren: „Man sollte sich vorher Gedanken darüber machen, wie man mit möglicherweise unliebsamen Wahrheiten umgeht.“ Das kommt häufiger vor, als man denkt.
Folgekosten: Der DNA-Test selbst ist nur der Anfang. Sowohl Ancestry als auch MyHeritage bieten ihre vollen Funktionen nur mit kostenpflichtigen Abonnements an. Bei Ancestry kostet eine Mitgliedschaft ab etwa 11 € pro Monat, MyHeritage bietet verschiedene Abo-Stufen an. Ohne Abo sind manche Funktionen eingeschränkt.
Mehrere Tests lohnen sich: Viele erfahrene Nutzer empfehlen, die Ergebnisse eines Anbieters bei einem zweiten hochzuladen. Die Rohdaten von Ancestry können beispielsweise bei MyHeritage und FamilyTreeDNA kostenlos importiert werden. So vergrößert man seine Reichweite bei der Verwandtensuche erheblich.
Welcher DNA-Test ist der richtige für dich?
🏆 AncestryDNA
Für ernsthafte Ahnenforschung mit der weltweit größten Datenbank. Ideal wenn du Verwandte finden und einen Stammbaum aufbauen willst.
🌍 MyHeritage
Für europäische Nutzer mit Fokus auf Stammbaum-Erstellung, Foto-Features und internationalen Matches. Bester Kundenservice.
🏥 tellmeGen
Für gesundheitsbewusste Nutzer, die neben Herkunft auch Krankheitsrisiken und Medikamentenverträglichkeit erfahren möchten.
Mein Fazit: Sind DNA-Herkunftstests seriös?
Ja, alle drei Anbieter sind seriöse Unternehmen mit nachvollziehbaren Geschäftsmodellen. AncestryDNA, MyHeritage und tellmeGen liefern echte, auf wissenschaftlichen Methoden basierende Ergebnisse. Die DNA-Matches mit Verwandten sind nachweislich zuverlässig – das bestätigen zahlreiche erfahrene Ahnenforscher in Fachforen.
Bei den Ethnizitätsschätzungen sollte man die Erwartungen allerdings realistisch halten. Sie zeigen Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten, keine exakten Prozentangaben. Wer sich dessen bewusst ist und die Tests als Werkzeug für die Familienforschung betrachtet – nicht als unfehlbares Orakel – wird damit viel Freude haben.
Meine Empfehlung: Für die meisten deutschsprachigen Nutzer ist MyHeritage der beste Einstieg – dank der starken europäischen Nutzerbasis und dem guten Kundenservice. Wer tiefer in die Ahnenforschung einsteigen will, sollte zusätzlich zu AncestryDNA greifen. Und wer sich vor allem für gesundheitliche Aspekte interessiert, ist bei tellmeGen am besten aufgehoben. Im Idealfall nutzt man zwei Plattformen und lädt die Rohdaten jeweils beim anderen hoch.
