Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst. Wenn dein Wohlfühlgewicht aber ein paar Kilo niedriger liegt, ist es völlig legitim, wenn du dahin zurückwillst. Aber: Radikale Diäten oder Hungerkuren sind keine nachhaltige Lösung.
Genau in diesem Zusammenhang taucht immer wieder der Name Mysimba auf. Ein verschreibungspflichtiges Medikament, das beim Gewichtsmanagement unterstützen soll. Doch wie sieht die Realität aus? Was steckt wirklich dahinter? Und für wen kommt das Präparat überhaupt in Frage?
Mysimba ist ein Kombinationspräparat aus zwei Wirkstoffen: Naltrexon und Bupropion. Beide Substanzen sind einzeln schon länger im Einsatz.
Naltrexon kennt man aus der Suchttherapie, Bupropion wird bei Depressionen und zur Raucherentwöhnung verschrieben. Zusammen sollen sie im Gehirn auf das Belohnungszentrum und das Hungergefühl wirken.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Mysimba 2015 zugelassen. In Deutschland kam das Präparat Anfang 2018 auf den Markt. Aktuell ist die Situation kompliziert: Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) weist darauf hin, dass Mysimba sich derzeit in Deutschland nicht im regulären Verkehr befindet. Wer es haben möchte, muss meist auf Online-Anbieter oder den Einzelimport zurückgreifen.
Verschrieben wird Mysimba an Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab einem BMI von 27, wenn zusätzlich gewichtsbedingte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte vorliegen. Es ist kein Lifestyle-Medikament, sondern für Menschen gedacht, die wirklich Unterstützung brauchen.
Wie läuft die Einnahme ab?
Die Dosierung von Mysimba wird schrittweise gesteigert. In der ersten Woche nimmst du eine Tablette morgens. Dann erhöhst du langsam über vier Wochen bis zur Erhaltungsdosis von zwei Tabletten morgens und zwei Tabletten abends. Die Tabletten haben eine verzögerte Wirkstofffreisetzung, was bedeutet, dass die Inhaltsstoffe gleichmäßig im Körper verteilt werden.
Wichtig: Nach 16 Wochen wird Bilanz gezogen. Wenn du bis dahin nicht mindestens 5 Prozent deines Ausgangsgewichts verloren hast, sollte die Behandlung beendet werden. Das ist keine Empfehlung, sondern Teil der Zulassungsbedingungen.
Echte Kundenmeinungen: Wie erleben es die Leute?
Die Meinungen gehen weit auseinander. Auf Plattformen wie Trustpilot oder bei Online-Apotheken findest du sehr unterschiedliche Feedbacks. Einige sind zufrieden und beschreiben, dass ihr Verlangen nach Süßigkeiten nachgelassen hat. Andere merken überhaupt keine Veränderung.
Eine Frau schrieb kürzlich: Nach einer Pille verschwand ihr Verlangen nach Süßigkeiten und sie hatte weniger Appetit. Keine spürbaren Nebenwirkungen nach einer Woche. Auf der anderen Seite gibt es jemanden, der nach sechs Monaten kein Gramm abgenommen hat und nur hungrig war.
Beim Anbieter Treated liegt die Gesamtbewertung bei 3,54 von 5 Sternen aus über 100 Kundenrezensionen. Das zeigt: Es funktioniert für manche, aber nicht für alle. Das ist bei Medikamenten dieser Art normal, denn jeder Körper reagiert anders.
Mit welchen Nebenwirkungen musst du rechnen?
Und jetzt wird es ernst. Mysimba hat ein umfangreiches Nebenwirkungsprofil. Das solltest du wissen, bevor du überhaupt darüber nachdenkst:
Sehr häufig (bei mehr als 1 von 10 Personen): Übelkeit, Verstopfung, Erbrechen. Das sind die Klassiker, die fast jeder in den ersten Wochen spürt. Bei manchen lässt das nach, bei anderen nicht.
Häufig (bei bis zu 1 von 10 Personen): Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit, Schlafprobleme. Gerade die Schlafstörungen können nerven, vor allem wenn du die Abenddosis zu spät nimmst.
Selten, aber ernst: Krampfanfälle, Blutdruckanstieg, psychische Veränderungen. Das BfArM und die EMA haben mehrfach Warnhinweise zu kardiovaskulären Risiken veröffentlicht. Bei Langzeiteinnahme über ein Jahr sind die Daten noch nicht ausreichend, weshalb regelmäßige ärztliche Kontrollen Pflicht sind.
In klinischen Studien brachen etwa 24 Prozent der Teilnehmer die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Das ist doppelt so viel wie in der Placebo-Gruppe. Die häufigsten Gründe waren Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel.
Wer sollte Mysimba auf keinen Fall nehmen?
Es gibt klare Kontraindikationen. Mysimba ist nicht geeignet für Menschen, die:
Opioide einnehmen (egal ob Schmerzmittel, Hustenstiller oder andere), von Opioiden abhängig sind oder einen Entzug durchmachen, Epilepsie haben oder in der Vergangenheit Krampfanfälle hatten, unter unkontrolliertem Bluthochdruck leiden, schwere Leber- oder Nierenerkrankungen haben, schwanger sind oder stillen.
Gerade die Wechselwirkung mit Opioiden ist kritisch. Die EMA hat 2024 und 2025 mehrere Warnhinweise dazu veröffentlicht. Naltrexon blockiert die Wirkung von Opioiden. Das bedeutet: Wenn du eine Operation brauchst und Schmerzmittel bekommst, wirken diese möglicherweise nicht richtig. Du musst Mysimba mindestens drei Tage vor einer geplanten OP absetzen.
Was kostet Mysimba?
Das Präparat ist nicht billig. Die Preise für eine Packung mit 112 Tabletten liegen zwischen 120 und 320 Euro, je nach Anbieter und ob eine Online-Konsultation enthalten ist. Bei Treated kostet eine Packung ab etwa 320 Euro inklusive Rezeptausstellung und Versand.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Es handelt sich um ein sogenanntes Lifestyle-Medikament, auch wenn das bei schwerem Übergewicht natürlich diskutabel ist. Wer das Medikament möchte, muss es aus eigener Tasche zahlen.
Je nach Dosierungsphase reicht eine Packung unterschiedlich lange. In der Anfangsphase mit niedrigerer Dosierung kommst du länger aus als später mit der vollen Erhaltungsdosis von vier Tabletten täglich.
Alternativen zu Mysimba
Mysimba ist nicht das einzige Medikament zur Gewichtsreduktion auf dem deutschen Markt. Es gibt Alternativen mit teils besserer Datenlage:
Wegovy (Semaglutid): Ein GLP-1-Rezeptoragonist, der als wöchentliche Spritze gegeben wird. Studien zeigen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 10 bis 15 Prozent. Deutlich effektiver als Mysimba, aber auch teurer.
Saxenda (Liraglutid): Ähnliches Wirkprinzip wie Wegovy, wird täglich gespritzt. Preis ab etwa 110 Euro für einen Pen.
Orlistat (Xenical): Wirkt im Darm als Fettbinder. Anders als Mysimba greift es nicht ins Gehirn ein. Nebenwirkungen betreffen hauptsächlich den Magen-Darm-Trakt.
Mounjaro (Tirzepatid): Der neueste Wirkstoff auf dem Markt, ebenfalls als Spritze. In Studien sehr gute Ergebnisse beim Gewichtsverlust.
Viele Ärzte empfehlen mittlerweile eher die GLP-1-basierten Präparate als Mysimba, weil die Datenlage zur Wirksamkeit besser ist und das Nebenwirkungsprofil weniger problematisch erscheint.
Wo bekommst du Mysimba?
Mysimba ist rezeptpflichtig. Du bekommst es also nicht einfach so in der Apotheke. Der klassische Weg führt über deinen Hausarzt oder einen Facharzt für Adipositas. Wenn du ein Rezept hast, kannst du es in jeder Apotheke einlösen.
Weil Mysimba aktuell in Deutschland nicht regulär vertrieben wird, nutzen viele den Weg über Online-Arztpraxen. Anbieter wie Treated, Zava oder Kapsel bieten Konsultationen an, bei denen ein Arzt per Fragebogen prüft, ob das Medikament für dich geeignet ist. Bei positivem Befund wird ein Rezept ausgestellt und das Präparat direkt aus einer Partnerapotheke (oft aus den Niederlanden oder Großbritannien) verschickt.
Vorsicht bei Angeboten, die Mysimba ohne jegliche ärztliche Prüfung verkaufen wollen. Das ist nicht nur illegal, sondern auch gefährlich. Bei einem Medikament mit diesem Nebenwirkungsprofil brauchst du ärztliche Begleitung.
Für wen kommt Mysimba in Frage?
Mysimba kann eine Option sein, wenn du starkes Übergewicht hast und andere Methoden nicht funktioniert haben. Es ist keine magische Lösung und ersetzt keine Ernährungsumstellung oder Bewegung. Es kann aber für manche Menschen den entscheidenden Unterschied machen, um den Appetit besser zu kontrollieren.
Die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Wenn du zu den Menschen gehörst, die gut darauf ansprechen, kann es helfen. Wenn nicht, hast du viel Geld ausgegeben und dich womöglich wochenlang unwohl gefühlt. Eine Garantie gibt dir niemand.
Sprich auf jeden Fall mit einem Arzt, bevor du Mysimba in Betracht ziehst. Lass dich beraten, ob es für deine individuelle Situation geeignet ist, und informiere dich über die Alternativen. Dein Wohlbefinden sollte immer an erster Stelle stehen.
