Wohnst du in Berlin und hast das Gefühl, dass deine Miete viel zu hoch ist? Damit bist du nicht allein. Der Berliner Wohnungsmarkt ist brutal, und viele Vermieter verlangen deutlich mehr, als sie eigentlich dürfen. Die Mietpreisbremse gibt dir das Recht, dagegen vorzugehen. Und genau da kommt Conny ins Spiel.
Der Online-Rechtsdienstleister hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Mieter überhöhte Mieten zurückzuholen und dauerhaft zu senken. Aber wie gut funktioniert das in der Praxis? Lohnt sich das Ganze überhaupt, wenn man die Kosten bedenkt? Und was passiert eigentlich mit dem Verhältnis zum Vermieter?
In diesem Beitrag erfährst du alles, was du wissen musst, bevor du dich entscheidest.
Die Mietpreisbremse ist ein Bundesgesetz, das seit 2015 existiert. Die Grundidee ist simpel: Bei einer Neuvermietung darf die Miete höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Das soll verhindern, dass Vermieter in angespannten Wohnungsmärkten wie Berlin beliebig hohe Preise verlangen können.
In Berlin gilt das Gesetz in allen Bezirken und wurde bis Ende 2029 verlängert. Wenn du also nach dem 1. Juni 2015 einen Mietvertrag unterschrieben hast, könnte die Mietpreisbremse für dich relevant sein.
Es gibt ein paar Ausnahmen, bei denen das Gesetz nicht greift:
Neubauten, die nach dem 1. Oktober 2014 erstmals vermietet wurden, sind ausgenommen. Auch Wohnungen, die umfassend modernisiert wurden, fallen raus. Hier muss der Vermieter aber nachweisen können, dass mindestens ein Drittel der Kosten eines vergleichbaren Neubaus investiert wurde. Wenn schon dein Vormieter eine überhöhte Miete gezahlt hat, darf der Vermieter diese ebenfalls beibehalten.
Das Problem: Viele Vermieter versuchen, diese Ausnahmen als Ausrede zu nutzen, obwohl sie gar nicht zutreffen. Hier kann eine professionelle Prüfung helfen.
So funktioniert Conny: Der Ablauf im Detail
Conny (früher bekannt als wenigermiete.de) ist ein registrierter Inkassodienstleister mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen hat die Genehmigung, Verbraucheransprüche gegenüber Vermietern durchzusetzen.
Der Prozess läuft in drei Schritten ab:
Im ersten Schritt gibst du auf der Webseite einige Infos zu deiner Wohnung ein: Adresse, Größe, Ausstattung, Einzugsdatum und natürlich die aktuelle Miete. Ein Algorithmus berechnet dann, wie hoch deine Miete maximal sein dürfte und zeigt dir dein Sparpotential an.
Wenn du das Ergebnis siehst und Conny beauftragen willst, übernimmt das Team im zweiten Schritt die komplette Kommunikation mit deinem Vermieter. Zunächst wird eine sogenannte Rüge verschickt. Das ist die formale Mitteilung, dass du deine Miete für zu hoch hältst. Ab diesem Zeitpunkt läuft die Uhr, und du kannst rückwirkend zu viel gezahlte Beträge zurückfordern.
Viele Vermieter lenken dann ein. Wenn nicht, geht Conny im dritten Schritt auch vor Gericht. Die Anwalts- und Gerichtskosten trägt das Unternehmen selbst, du gehst kein finanzielles Risiko ein.
Was kostet Conny? Das Provisionsmodell erklärt
Conny arbeitet rein erfolgsbasiert. Das bedeutet: Wenn keine Mietsenkung rauskommt, zahlst du auch nichts. Das wirkt auf den ersten Blick fair, aber schauen wir uns die Details an.
Im Regelfall behält Conny die Rückzahlungsansprüche für die Vergangenheit als Provision. Wenn du also zum Beispiel seit zwei Jahren zu viel gezahlt hast und jetzt 300 Euro monatlich sparst, gehen die rückwirkenden Beträge an Conny. Die zukünftige Ersparnis gehört dir.
In manchen Fällen kann auch eine Mindestprovision anfallen, die der Ersparnis von sechs Monaten entspricht. Je mehr du kaufst, je günstiger wird es quasi nicht, denn die Provision hängt direkt vom Erfolg ab.
Konkret heißt das: Bei einer monatlichen Ersparnis von 200 Euro und einer Rückzahlung von 2.400 Euro würde Conny die Rückzahlung einbehalten. Du profitierst dann ab sofort von der niedrigeren Miete.
Manche Kunden empfinden das als zu teuer. In Einzelfällen können die Provisionen durchaus mehrere tausend Euro betragen. Die Frage ist: Würdest du ohne Conny überhaupt etwas zurückbekommen? Wer kein Kostenrisiko eingehen will und sich den Stress sparen möchte, für den kann das Modell trotzdem sinnvoll sein.
Das sagen Kunden auf Trustpilot
Auf Trustpilot hat Conny bei über 1.200 Rezensionen eine Durchschnittsnote von 4,1 von 5 Sternen. Die Mehrheit der Kunden ist zufrieden, es gibt aber auch kritische Meinungen.
Positiv wird oft hervorgehoben, dass der Prozess unkompliziert abläuft. Ein Kunde aus Berlin Neukölln schreibt, dass er durch Conny jetzt ein Drittel weniger Miete zahlt und dafür nur einen Fragebogen ausfüllen musste. Ein anderer konnte seine Miete um 250 Euro senken, ohne sich selbst mit dem Vermieter auseinandersetzen zu müssen.
Das Team wird häufig als kompetent und freundlich beschrieben. Auch die Tatsache, dass Conny bei einem Rechtsstreit alle Kosten übernimmt, kommt gut an.
Auf der anderen Seite gibt es Kritik an der Kommunikation. Einige Kunden warten wochenlang auf Updates und müssen mehrfach nachfragen. Bei einem Verfahren, das sich über Jahre hinziehen kann, ist das verständlicherweise frustrierend. Vereinzelt wird auch die Intransparenz bei der Kostenabrechnung bemängelt.
Ein Kunde beklagt, dass mehr als 75 Prozent seiner Rückzahlung an Conny gingen. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich vorher genau zu informieren, was man am Ende tatsächlich bekommt.
Wie lange dauert das Verfahren?
Die Dauer hängt stark davon ab, wie kooperativ dein Vermieter ist. Bei einer außergerichtlichen Einigung kann es schon nach wenigen Wochen oder Monaten erledigt sein. Manche Kunden hatten innerhalb von zwei Monaten ihre Mietminderung durch.
Wenn der Vermieter sich querstellt und es zum Gerichtsverfahren kommt, kann sich das Ganze über ein bis drei Jahre ziehen. In Einzelfällen sogar länger. Ein Kunde auf Trustpilot berichtet von 1,5 Jahren, bekam dafür aber ab dem Tag der Rüge alles rückwirkend erstattet.
Das Positive: Je länger es dauert, desto höher ist im Erfolgsfall die Rückzahlung. Du verlierst also kein Geld durch Verzögerungen.
Was passiert mit dem Verhältnis zum Vermieter?
Das ist eine berechtigte Sorge, die viele davon abhält, ihre Rechte durchzusetzen. Die gute Nachricht: Conny gibt an, dass 99,6 Prozent aller Kunden keine Probleme mit ihrem Vermieter gemeldet haben.
Bei großen Wohnungsgesellschaften wie Deutsche Wohnen, Vonovia oder Heimstaden gehört das quasi zum Tagesgeschäft. Die rechnen damit, dass Mieter ihre Rechte einfordern.
Bei privaten Vermietern kann es anders aussehen. Hier ist theoretisch möglich, dass der Vermieter mit einer Eigenbedarfskündigung reagiert. Der Mieterschutz in Deutschland ist aber sehr stark. Eine solche Kündigung muss begründet sein und hat hohe Hürden. Conny gibt an, dass ihre Anwälte über 95 Prozent aller Kündigungsversuche nach einer Mietminderung erfolgreich abgewehrt haben.
Ein Tipp: Wenn du bei einer Wohnungsgesellschaft wohnst, ist das Risiko praktisch null. Bei privaten Vermietern solltest du abwägen, wie wichtig dir das persönliche Verhältnis ist.
Alternativen zu Conny
Conny ist nicht die einzige Möglichkeit, deine Miete zu senken. Hier ein Überblick über andere Optionen:
Mieterverein: Der Berliner Mieterverein bietet sogar eine kostenlose Aktion zur Mietpreisüberprüfung an. Dafür musst du nicht mal Mitglied sein. Eine Mitgliedschaft kostet etwa 9 Euro im Monat und gibt dir Zugang zu rechtlicher Beratung. Vorteil: Du behältst die komplette Ersparnis. Nachteil: Du musst selbst aktiver werden.
Allright: Ein Konkurrent von Conny, der von Flightright (bekannt für Fluggastrechte) betrieben wird. Das Prinzip ist ähnlich, die Kosten ebenfalls erfolgsbasiert.
Rechtsanwalt: Wenn du eine Rechtsschutzversicherung mit Mietrechtsschutz hast, kannst du auch direkt einen Anwalt beauftragen. Bei Erfolg behältst du die gesamte Ersparnis.
Mietpreisprüfstelle Berlin: Seit März 2025 gibt es in Berlin eine offizielle, kostenfreie Anlaufstelle. Dort kannst du gemeinsam mit Experten prüfen, ob deine Miete zu hoch ist und deine Rechte durchsetzen.
Für wen passt Conny?
Conny ist vor allem dann sinnvoll, wenn du kein Kostenrisiko eingehen willst und dir die Auseinandersetzung mit dem Vermieter ersparen möchtest. Gerade bei großen Wohnungsgesellschaften ist das Risiko minimal und die Erfolgsaussichten gut.
Weniger geeignet ist der Dienst, wenn du bereits Mitglied in einem Mieterverein bist oder eine Rechtsschutzversicherung hast. In diesen Fällen behältst du mit anderen Optionen mehr von deinem Geld.
Auch bei Neubauwohnungen solltest du vorsichtig sein. Der Online-Rechner von Conny zeigt manchmal Sparpotential an, obwohl die Mietpreisbremse gar nicht greift. Eine Beratung im Vorfeld kann hier Enttäuschungen vermeiden.
Fazit: Lohnt sich Conny?
Conny hat in den letzten Jahren tausenden Mietern in Berlin zu einer Mietminderung verholfen. Die durchschnittliche Ersparnis liegt bei rund 300 bis 400 Euro pro Monat. Das Geschäftsmodell wurde vom Bundesgerichtshof bestätigt, die Stiftung Warentest und Finanztip empfehlen den Dienst.
Die Kehrseite: Die Provisionen können happig sein, und die Kommunikation während des Verfahrens lässt manchmal zu wünschen übrig. Wer bereits Zugang zu rechtlicher Beratung hat, fährt mit anderen Wegen oft günstiger.
Wenn du in Berlin wohnst, seit 2015 einen Mietvertrag unterschrieben hast und das Gefühl hast, zu viel zu zahlen, ist eine kostenlose Prüfung über den Online-Rechner zumindest einen Versuch wert. Du erfährst innerhalb weniger Minuten, ob sich eine weitere Beschäftigung mit dem Thema lohnt.
Das Wichtigste zum Schluss: Die Mietpreisbremse ist dein Recht. Du musst niemandem einen Gefallen tun, indem du zu viel zahlst. Informiere dich, wäge ab, und entscheide dann, welcher Weg für dich der richtige ist.
Häufige Fragen zu Conny und der Mietpreisbremse
Kann mein Vermieter mir kündigen, wenn ich die Mietpreisbremse ziehe?
Eine Kündigung allein deshalb, weil du dein Recht auf eine faire Miete einforderst, ist nicht zulässig. Der Mieterschutz in Deutschland ist sehr stark. Eigenbedarfskündigungen müssen strenge Voraussetzungen erfüllen und können in den meisten Fällen abgewehrt werden.
Wie viel kann ich mit der Mietpreisbremse sparen?
Das hängt von deiner aktuellen Miete und der ortsüblichen Vergleichsmiete ab. Im Durchschnitt sparen Kunden von Conny rund 300 bis 400 Euro pro Monat. In Einzelfällen wurden sogar Mieten um 50 Prozent gesenkt.
Gilt die Mietpreisbremse auch für möblierte Wohnungen?
Grundsätzlich ja. In Berlin gibt es keine zusätzlichen Ausnahmen für möblierte Wohnungen oder Staffelmietverträge. Die Durchsetzung kann aber komplizierter sein, weil der Möblierungszuschlag die Kalkulation beeinflusst.
Was ist der Unterschied zwischen Mietpreisbremse und Mietspiegel?
Der Mietspiegel zeigt die ortsüblichen Vergleichsmieten für verschiedene Wohnungstypen und Lagen. Die Mietpreisbremse ist das Gesetz, das festlegt, dass deine Miete höchstens 10 Prozent über diesem Wert liegen darf. Beide arbeiten zusammen: Ohne Mietspiegel wüsstest du nicht, wo die Grenze liegt.
Wie lange ist die Mietpreisbremse noch gültig?
Die Bundesregierung hat das Gesetz bis Ende 2029 verlängert. In Berlin gilt zusätzlich eine Landesverordnung, die ebenfalls bis dahin läuft. Du hast also noch einige Jahre Zeit, deine Ansprüche geltend zu machen.
