Gewicht verlieren ist in der Theorie immer einfach. Weniger essen, mehr bewegen, fertig. In der Praxis scheitern die meisten genau daran.
Die Amapur Diät geht einen anderen Weg: Statt auf grosse Mahlzeiten und Verzicht zu setzen, isst du jede Stunde eine kleine Portion. Kekse, Shakes, Suppen, Riegel.
Alles kommt fertig zu dir nach Hause, Einkaufen und Kochen fallen komplett weg. Das Konzept stammt ursprünglich aus der Schweiz und wurde dort unter dem Namen EPD (Ernährungsprogramm Drei-Phasen) von der Hepart AG in Kreuzlingen entwickelt.
Von August 2003 bis Juli 2016 wurden die EPD-Produkte in Deutschland unter dem Markennamen „Amapur“ vertrieben. Ab August 2016 hat die Enduria GmbH in Berlin die Marke Amapur dann eigenständig weitergeführt und die Produkte selbst produziert.
Das Grundprinzip: Du nimmst pro Tag zwischen 800 und 1050 Kalorien zu dir, verteilt auf 12 bis 16 Mini-Mahlzeiten.
Der niedrige glykämische Index der Produkte und der pflanzliche Ballaststoff Guar sollen den Blutzuckerspiegel stabil halten und Heisshunger verhindern. Guar ist ein Quellstoff aus der Guarbohne, der im Magen aufquillt und so für ein längeres Sättigungsgefühl sorgt. Dazu sollst du täglich drei bis vier Liter Wasser oder ungesüssten Tee trinken.
Was steckt drin und wie schmeckt das Ganze?
Ein typisches Amapur-Paket enthält Shakes in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Suppen, Müsli, Kekse, Cracker und Snack-Riegel. Die Zusammenstellung lässt sich auf der Webseite individuell anpassen. Geschmacklich gehen die Meinungen auseinander. Manche finden die Shakes und Kekse ganz okay, andere empfinden vor allem die Suppen als eher fad. Wer frisches Obst und Gemüse gewohnt ist, wird die ersten Tage wahrscheinlich eine Umstellung spüren. Frische Lebensmittel sind während der Intensivphase nämlich nicht vorgesehen. Vitamine und Mineralstoffe werden über die Produkte und zusätzliche Granulate abgedeckt.
Ein 10-Tage-Intensivpaket lag preislich bei rund 179 Euro. Das ist nicht gerade wenig. Wer das Programm über mehrere Wochen durchzieht, muss also tiefer in die Tasche greifen. Auf der anderen Seite sparst du dir Lebensmitteleinkäufe, denn du isst ausschliesslich die gelieferten Produkte.
Verbraucherzentrale: Kritik an Amapur-Werbung
Spannend ist ein Blick auf die Vergangenheit der Marke. Die Verbraucherzentrale hat 2016 auf Lebensmittelklarheit.de eine Meldung zu den Amapur Vanille-Keksen veröffentlicht. Auf der Verpackung waren Vanilleschoten abgebildet und mit „Natürlicher Vanillegeschmack“ geworben worden. In der Zutatenliste stand dann aber nur Vanillinzucker, also ein künstliches Aroma. Das ist ein Unterschied, der für Verbraucher relevant ist. Die Enduria GmbH wurde vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) abgemahnt und hat daraufhin eine Unterlassungserklärung abgegeben. Auch die Aussage „Nährstoffoptimiert, für stabilen Blutzuckerspiegel“ wurde als unzulässige gesundheitsbezogene Werbung eingestuft und musste entfernt werden. 2017 gab es eine zweite Abmahnung wegen der Formulierung „Positiver Einfluss auf den Stoffwechsel“.
Das zeigt: Bei Formuladiäten lohnt es sich, genau auf Werbeversprechen und Zutatenlisten zu schauen. Nicht alles, was auf der Verpackung schön aussieht, ist auch wirklich so drin.
Amapur kaufen bei dm oder Rossmann: Geht das?
Falls du dich fragst, ob du Amapur bei dm kaufen kannst: Nein, das geht nicht. Auch bei Rossmann wirst du Amapur nicht finden. Die Produkte wurden ausschliesslich über den eigenen Online-Shop auf amapur.de vertrieben. In stationären Drogerien, Supermärkten oder Apotheken war die Marke nicht erhältlich. Wer Amapur wo kaufen googelt, landet also immer beim Direktvertrieb über die Webseite.
Für das Nachfolgeprodukt EPD gilt Ähnliches. Die Schweizer Hepart AG verkauft ihre Pakete über den eigenen Shop eovital.de. 7-Tage-Pakete wie das „Gesund Abnehmen“-Paket kosten dort rund 229 Euro, das 10-Tage-Paket „Vitalisieren“ liegt bei etwa 269 Euro. Versandkostenfrei wird es ab 100 Euro. Auch bei EPD gibt es kein stationäres Ladengeschäft, alles läuft online.
Was sagt die Stiftung Warentest zu Formuladiäten?
Die Stiftung Warentest hat sich in einem umfangreichen Vergleich mit Schlankheitsmitteln und Formuladiäten beschäftigt. Das Fazit fällt ernüchternd aus: Alle rezeptfreien Mittel zum Gewichtsverlust wurden als „wenig tauglich“ bewertet. Der Grundtenor ist klar. Wer langfristig sein Gewicht reduzieren möchte, kommt um eine dauerhafte Umstellung der Essgewohnheiten nicht herum. Formuladiäten können zwar kurzfristig Ergebnisse liefern, aber ohne eine anschliessende Veränderung im Alltag droht der bekannte Jo-Jo-Effekt. Der Körper interpretiert die stark reduzierte Kalorienzufuhr als Mangelphase und versucht danach, die verlorenen Reserven wieder aufzufüllen.
Amapur und EPD: Wo liegt der Unterschied?
Von 2003 bis 2016 waren Amapur und EPD identische Produkte. Die Hepart AG aus Kreuzlingen (Schweiz) hat die Produkte hergestellt und in Deutschland unter dem Namen Amapur vertrieben. Nach der Trennung 2016 ging jeder seinen eigenen Weg. Amapur wurde von der Enduria GmbH in Berlin eigenständig produziert und vermarktet, während EPD weiterhin von der Schweizer Hepart AG kam. Das bedeutet: Wer heute nach Amapur sucht, findet ein anderes Produkt als das, was viele aus den Anfangsjahren kennen.
Die EPD-Seite wirft mit Erfolgsgeschichten um sich und spricht davon, dass in den letzten 25 Jahren über 250.000 Personen mit dem Programm gearbeitet haben. Das wirkt erstmal nach einer grossen Zahl, sagt aber noch nichts darüber aus, wie nachhaltig die Ergebnisse waren. Ein paar Kilo in einer Woche zu verlieren, ist mit jeder kalorienreduzierten Methode möglich. Die eigentliche Frage ist immer: Was passiert danach?
Für wen könnte die Stundendiät passen?
Wenn du schnell ein paar Kilo verlieren willst und kein Problem damit hast, für eine begrenzte Zeit komplett auf frisches Essen zu verzichten, kann so ein Programm als Einstieg funktionieren. Die Bequemlichkeit ist tatsächlich ein Pluspunkt: Du musst nicht kochen, nicht einkaufen, nicht Kalorien zählen. Alles kommt fertig zu dir. Gerade im stressigen Berufsalltag kann das den Anfang erleichtern.
Aber sei ehrlich mit dir: Eine Diät, bei der du zehn Tage nur Pulver, Kekse und Riegel isst, ist keine langfristige Lösung. Dein Körper braucht auf Dauer frische, abwechslungsreiche Nahrung. Die Stundendiät kann ein Reset sein, eine Art Startpunkt, von dem aus du deine Gewohnheiten Schritt für Schritt veränderst. Wenn du danach aber genauso weiterlebst wie vorher, sind die verlorenen Kilos schneller wieder drauf, als du „Guar“ sagen kannst.
Gibt es gute Alternativen?
Wer sich für Formuladiäten interessiert, hat in Deutschland eine grosse Auswahl. Almased und Yokebe sind deutlich bekannter und in Drogerien wie dm und Rossmann regulär erhältlich. Preislich sind sie in der Regel günstiger als Amapur oder EPD. Dann gibt es noch Ansätze wie Intervallfasten, die komplett ohne spezielle Produkte auskommen. Oder klassisch eine Ernährungsberatung, die von vielen Krankenkassen bezuschusst wird.
Am Ende zählt nicht, welche Methode gerade im Trend liegt. Entscheidend ist, dass du einen Weg findest, der zu deinem Leben passt und den du auch nach Wochen und Monaten noch durchhalten kannst. Denn kein Shake der Welt ersetzt eine gesunde Beziehung zum Essen.
