Der Kühlschrank zieht dich magisch an, obwohl du eigentlich gar keinen Hunger hast? Du greifst zu Pizza, Schokolade oder anderen Snacks und weißt gar nicht so richtig warum? Genau so ging es Dinah.
Mit 1,68 Meter und über 80 Kilo fühlte sie sich unwohl in ihrer Haut. Diäten hielt sie immer nur kurz durch, dann kam der alte Trott zurück. Bis sie einen komplett anderen Weg einschlug: Hypnosetherapie.
Das Ergebnis? Innerhalb eines Jahres verlor sie über 14 Kilo. Ohne Hungern, ohne Verzicht, ohne den klassischen Jojo-Effekt. Der Schlüssel lag nicht in einer neuen Diät, sondern in ihrem Unterbewusstsein. Was genau dahintersteckt und ob dieser Ansatz auch für dich funktionieren kann, erfährst du in diesem Artikel.
Bei der Hypnose wirst du in einen tief entspannten Zustand des Geistes versetzt. Das hat nichts mit der Showhypnose zu tun, die du vielleicht aus dem Fernsehen kennst. Du bist weder bewusstlos noch willenlos. Im Gegenteil: Dein Bewusstsein ist hochkonzentriert, aber dein kritisches Denken tritt in den Hintergrund.
In diesem Zustand ist das Gehirn empfänglicher für neue Impulse und Suggestionen. Der Therapeut kann so an tief verwurzelte Verhaltensmuster und Überzeugungen herantreten, die sonst nur schwer zugänglich sind. Bei Dinah stellte sich beispielsweise heraus, dass sie aus einem Gefühl der Einsamkeit heraus aß, das sie seit ihrer Kindheit begleitete. Diesen Zusammenhang hatte sie vorher nie erkannt.
Wissenschaftler haben mittlerweile bestätigt, was dabei im Kopf passiert: Unter Hypnose gelingt es, die Kontrollinstanzen im Gehirn herunterzufahren. Regionen, die normalerweise ständig aktiv sind und unser Denken und Handeln kontrollieren, kommen zur Ruhe. Das öffnet die Tür zum Unterbewusstsein.
Funktioniert Hypnose zum Gewichtsverlust wirklich?
Die wissenschaftliche Forschung liefert tatsächlich einige interessante Hinweise. Am Psychologischen Institut der Universität Tübingen wurde 2003 untersucht, ob Hypnose in Kombination mit Verhaltenstherapie effektiver beim Gewichtsverlust hilft als Verhaltenstherapie allein. Das Ergebnis war aufschlussreich.
Direkt nach der Behandlung hatten beide Gruppen ihren BMI um etwa einen Punkt reduziert. Nach drei weiteren Monaten ohne therapeutische Sitzungen hatten die Patientinnen der Hypnose-Gruppe jedoch weiter Gewicht verloren und zeigten eine höhere Lebenszufriedenheit, während das Gewicht der anderen Gruppe stagnierte.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 brachte weitere spannende Erkenntnisse: Teilnehmer, die Selbsthypnose regelmäßig anwandten, verloren mehr Gewicht (minus 9,6 Kilogramm) als Gelegenheitsnutzer. Das zeigt: Je konsequenter du die Methode einsetzt, desto bessere Resultate kannst du erwarten.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, veröffentlicht im Journal Frontiers in Psychology, bestätigte ebenfalls die Wirksamkeit hypnotherapeutischer Interventionen. Die Forschung zeigt aber auch: Hypnose entfaltet ihre volle Kraft am besten in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Ernährungsumstellung oder Verhaltenstherapie.
Wie läuft eine Hypnosebehandlung ab?
Vor der eigentlichen Sitzung führst du ein ausführliches Gespräch mit dem Therapeuten. Dabei geht es um deine Ziele, deine Essgewohnheiten und die Aspekte deines Lebens, die du gerne ändern möchtest. Je mehr der Therapeut über dich weiß, desto gezielter kann er arbeiten.
Die eigentliche Hypnose beginnt mit einer Einleitungsphase. Der Therapeut führt dich mit beruhigender Stimme und sich wiederholenden Worten in die Trance. Du bist dabei die ganze Zeit wach und ansprechbar. Du würdest keine Anweisungen annehmen, die gegen deine eigenen Werte verstoßen.
Im Trancezustand können dann verschiedene Techniken zum Einsatz kommen. Bei Dinah nutzte der Therapeut eine Gedankenreise, bei der sie in ihre Vergangenheit zurückging. Dort entdeckte sie die emotionalen Wurzeln ihres Essverhaltens. In einer weiteren Sitzung verknüpfte der Therapeut positive Erlebnisse aus ihrem Leben (das Gefühl von Selbstsicherheit beim Tauchen) mit alltäglichen Situationen, in denen sie sonst zum Kühlschrank greifen würde.
Was kostet eine Hypnosetherapie zur Gewichtsreduktion?
Die Preise variieren je nach Standort, Qualifikation des Therapeuten und Dauer der Sitzung. Die Kosten für Hypnose zum Gewichtsverlust liegen in der Regel zwischen 80 und 150 Euro pro Sitzung. Eine Sitzung dauert meist etwa 50 Minuten.
Für eine nachhaltige Veränderung sind in den meisten Fällen mehrere Termine nötig. Zum Gewichtsverlust mit Hypnose sind meistens zwischen vier und sechs Sitzungen notwendig. Das bedeutet, du solltest mit Gesamtkosten zwischen 320 und 900 Euro rechnen.
Das ist erstmal eine Investition. Aber wenn du überlegst, wie viel Geld du über die Jahre für erfolglose Diäten, Fitness-Mitgliedschaften oder Abnehm-Produkte ausgegeben hast, relativiert sich das schnell.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Hypnotherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen auf Antrag übernommen. Bei privaten Versicherungen sieht es etwas anders aus. Hier hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Tarif ab. Ein Anruf bei deiner Versicherung vor Behandlungsbeginn lohnt sich auf jeden Fall.
Es gibt einen kleinen Umweg: Psychologische Psychotherapeuten können Hypnosesitzungen in ihre Verhaltens- oder tiefenpsychologische Therapie einbauen. Wenn eine solche Therapie von der Krankenkasse genehmigt wurde, werden auch die Hypnosesitzungen übernommen.
Für wen kommt Hypnose zum Gewichtsverlust in Frage?
Grundsätzlich kann jeder von Hypnose profitieren, der offen für die Methode ist. Vorausgesetzt, es liegen keine schweren psychischen Vorerkrankungen vor. Die Methode gilt als nebenwirkungsfrei und sanft.
Hypnose kann vor allem dann wirksam sein, wenn dein Übergewicht mit emotionalen Faktoren zusammenhängt. Fragst du dich manchmal, warum du zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Situationen auffällig oft zu Snacks greifst? Ist es bei Stress, Langeweile oder Traurigkeit? Dann könnte Hypnose der richtige Ansatz für dich sein.
Nicht der richtige Weg ist die Methode, wenn du dir eine Art Zauberformel erhoffst. Hypnose ersetzt weder das Wissen um gesunde Ernährung noch die Notwendigkeit, dich auch bewusst mit deinen Essgewohnheiten auseinanderzusetzen. Der Therapeut wird dir keine Einkaufslisten oder Rezepte ins Unterbewusstsein einpflanzen.
Selbsthypnose: Eine Alternative zur Therapiesitzung?
Wenn du die Grundlagen der Hypnose bereits kennst, kannst du auch alleine damit arbeiten. Bei der Selbsthypnose versetzt du dich mit bestimmten Techniken selbst in einen tranceähnlichen Zustand. Das funktioniert am besten, wenn du vorher schon mit einem Therapeuten gearbeitet hast.
Es gibt mittlerweile auch viele Apps und Audiokurse, die geführte Hypnosen anbieten. Diese sind deutlich günstiger als Live-Sitzungen und können eine gute Ergänzung sein. Die Qualität schwankt aber stark. Lies dir vorher die Rezensionen anderer Teilnehmer durch und achte darauf, dass der Anbieter vertrauenswürdig ist.
Vorsicht bei versteckten Abofallen: Einige Anbieter locken mit günstigen Einstiegspreisen und buchen dann automatisch weitere Monate ab. Prüfe die Vertragsbedingungen genau, bevor du deine Zahlungsdaten eingibst.
So findest du einen qualifizierten Hypnosetherapeuten
Die Bezeichnung Hypnosetherapeut ist in Deutschland nicht geschützt. Das bedeutet, jeder kann sich so nennen, unabhängig von seiner tatsächlichen Qualifikation. Deshalb solltest du bei der Auswahl genau hinschauen.
Ein guter Therapeut macht transparente Aussagen zu seiner Ausbildung. Er nennt, wo und bei wem er gelernt hat. Mitgliedschaften in anerkannten Fachverbänden wie der Deutschen Gesellschaft für Hypnose (DGH) oder der Milton Erickson Gesellschaft (MEG) sind ein positives Zeichen.
Lass die Finger von Anbietern, die mit übertriebenen Versprechen auftreten. Wer garantiert, dass du innerhalb von zwei Wochen 10 Kilo verlierst, ist nicht vertrauenswürdig. Qualifizierte Therapeuten klären im Vorgespräch realistisch über Chancen und Grenzen der Methode auf.
Was die Wissenschaft zur Hirnaktivität unter Hypnose sagt
Die Universität Zürich hat in ihrer Forschung dokumentiert, wie hypnotische Suggestionen die neuronalen Netzwerke im Gehirn beeinflussen. Moderne bildgebende Verfahren zeigen, dass Hypnose die Aktivität in jenen Bereichen des Gehirns beeinflusst, die für Hunger, Sättigung und Belohnungsempfinden zuständig sind.
Das erklärt, warum Hypnose helfen kann, das Verlangen nach ungesunden Lebensmitteln zu reduzieren. Die Verbindung zwischen bestimmten Gefühlen und dem Griff zum Essen wird im Gehirn quasi neu verdrahtet. Essen dient dann nicht mehr als Ersatzbefriedigung.
Hypnose als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes
Die Forschung ist sich einig: Hypnose entfaltet ihre beste Wirkung nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Teil eines ganzheitlichen Konzepts. Das bedeutet konkret:
Eine bewusste Ernährungsumstellung gehört dazu. Ersetze stark verarbeitete Lebensmittel durch frische, nährstoffreiche Alternativen. Das muss nicht kompliziert sein. Kleine Veränderungen im Alltag machen auf Dauer den Unterschied.
Bewegung unterstützt den Prozess. Du musst nicht zum Marathon-Läufer werden. Schon regelmäßige Spaziergänge oder Treppensteigen statt Fahrstuhl fahren helfen deinem Körper.
Und das Wichtigste: Hab Geduld mit dir selbst. Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Die Hypnose kann den Anstoß geben, aber du bist derjenige, der die Veränderung im Alltag umsetzt.
Dinahs Weg: Wie Hypnose ihr Leben verändert hat
Zurück zu Dinah, mit deren Geschichte wir begonnen haben. Nach den Hypnosesitzungen hat sie nicht nur Gewicht verloren. Sie hat verstanden, warum sie über all die Jahre immer wieder zum Essen gegriffen hat. Das Gefühl der Einsamkeit, das sie seit ihrer Kindheit begleitete, war der Auslöser.
Heute reagiert sie anders, wenn dieses Gefühl aufkommt. Statt zum Kühlschrank zu gehen, ruft sie eine Freundin an, geht nach draußen oder unternimmt etwas Aktives. Und wenn die Gedanken ans Essen doch mal zu stark werden, taucht sie gedanklich kurz ab. Sie erinnert sich an ihr Selbstsicherheitsgefühl beim Tauchen in der Karibik, das der Therapeut mit ihr verankert hat.
Die Hypnose war für sie der Schlüssel, um die Macht über ihre Gewohnheiten zurückzugewinnen. Sie bestimmt jetzt, wo es langgeht, nicht mehr der Kühlschrank.
Hypnose kann eine wirksame Unterstützung beim Gewichtsverlust sein, wenn du bereit bist, dich auf die Methode einzulassen. Die wissenschaftlichen Belege sind vorhanden, auch wenn noch weitere Forschung nötig ist.
Die Methode funktioniert am besten, wenn emotionale Essmuster eine Rolle spielen und du sie mit einer bewussten Ernährungsumstellung kombinierst. Sie ist kein Ersatz für eine gesunde Lebensweise, kann aber den entscheidenden Impuls geben, alte Gewohnheiten zu durchbrechen.
Wenn du schon viele Diäten hinter dir hast und immer wieder am selben Punkt scheiterst, könnte Hypnose ein Weg sein, das Thema von einer ganz anderen Seite anzugehen. Nicht über Verbote und Willenskraft, sondern über dein Unterbewusstsein. Einen Versuch ist es allemal wert.
