Abnehmen ohne Hungergefühl und trotzdem die Pfunde verlieren? Klingt nach einem Traum. Genau das versprechen Produkte rund um GLP-1. Doch was steckt wirklich dahinter? Ob verschreibungspflichtige Medikamente, Tabletten zum Schlucken oder Pflaster zum Aufkleben: Was funktioniert und wo du lieber skeptisch bleiben solltest.
GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1. Das ist ein Hormon, das dein Körper ganz natürlich im Darm produziert. Es sorgt dafür, dass du dich nach dem Essen satt fühlst und verlangsamt gleichzeitig die Magenentleerung. Das Ergebnis: Du isst automatisch weniger und hast länger keinen Hunger.
Medikamente wie Semaglutid oder Liraglutid ahmen dieses Hormon nach. Ursprünglich wurden sie für Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickelt. Mittlerweile gibt es zugelassene Präparate speziell zur Gewichtsreduktion. Die Wirkung ist wissenschaftlich gut untersucht und in Studien belegt.
Die Spritze
Die bekannteste Anwendungsform sind Injektionen, die du dir selbst unter die Haut setzt. Das klingt erstmal unangenehm, ist aber in der Praxis unkomplizierter als gedacht. Die Nadeln sind extrem dünn und die Anwendung dauert nur Sekunden.
Wichtig zu wissen: Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Du bekommst sie nur mit einem Rezept vom Arzt. Voraussetzung ist in der Regel ein BMI über 30 oder ein BMI über 27 mit zusätzlichen gesundheitlichen Problemen wie Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten.
Die Gewichtsreduktion kann beachtlich sein. In Studien verloren Teilnehmer durchschnittlich zwischen 10 und 15 Prozent ihres Körpergewichts. Das funktioniert aber nur in Kombination mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Die Spritze allein macht noch keine schlanke Figur.
GLP-1 zum Schlucken
Für alle, die sich nicht regelmäßig spritzen wollen, gibt es mittlerweile Tabletten. Orales Semaglutid ist bereits zugelassen und wirkt ähnlich wie die Injektionsvariante. Ein neuer Wirkstoff namens Orforglipron befindet sich aktuell in der Entwicklung und zeigt in Studien vielversprechende Ergebnisse.
Der Vorteil der Tabletten liegt auf der Hand: Keine Nadeln, keine Kühlung, einfach schlucken. Trotzdem gibt es Einschränkungen. Bei manchen Präparaten musst du die Tablette auf nüchternen Magen nehmen und danach mindestens 30 Minuten warten, bevor du etwas isst oder trinkst.
Auch hier gilt: Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und nur über den Arzt erhältlich. Bei DM, Rossmann oder anderen Drogerien wirst du sie nicht finden. Das hat gute Gründe, denn die Dosierung muss individuell angepasst und mögliche Nebenwirkungen müssen ärztlich überwacht werden.
Abnehmpflaste
Im Internet tauchen immer wieder sogenannte GLP-1-Patches auf. Die Werbung verspricht das Gleiche wie die verschreibungspflichtigen Medikamente: weniger Hunger, mehr Sättigung, purzelnde Pfunde. Und das alles ohne Spritze und ohne Rezept.
Die Verbraucherzentrale hat sich diese Pflaster genauer angeschaut und warnt deutlich davor. Der Grund: Die Patches enthalten gar kein GLP-1. Stattdessen findest du Inhaltsstoffe wie Berberin, Glutamin und Chrom. Das sind Substanzen, deren Wirkung auf das Gewicht wissenschaftlich nicht belegt ist.
Noch problematischer: Es gibt keine Studien dazu, ob diese Stoffe überhaupt über die Haut in den Körper gelangen. Bei den angepriesenen Untersuchungen handelt es sich teilweise um einfache Selbstversuche ohne jegliche wissenschaftliche Standards. Die Verbraucherschützer nennen das Ganze auf Instagram ziemlich direkt eine Täuschung.
Warum du bei Pflastern vorsichtig sein solltest
Abnehmpflaster sind keine zugelassenen Arzneimittel. Das bedeutet: Es gibt keine behördliche Kontrolle über die Inhaltsstoffe, die Dosierung oder mögliche Nebenwirkungen. Du weißt also nicht genau, was du dir da auf die Haut klebst.
Mögliche Risiken sind Hautreizungen, allergische Reaktionen oder im schlimmsten Fall eine Überdosierung einzelner Substanzen. Außerdem fehlt jeglicher Nachweis, dass die Pflaster beim Gewichtsverlust helfen. Das Geld kannst du dir also sparen.

Was wirklich beim Gewichtsverlust hilft
Wenn du ein paar Kilo verlieren möchtest, brauchst du vor allem eines: Geduld. Radikale Diäten oder vermeintliche Wundermittel bringen langfristig nichts. Im Gegenteil, sie können deinem Körper sogar schaden.
Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt einen schrittweisen Ansatz. Wer täglich etwa 500 Kilokalorien einspart, kann pro Woche rund 500 Gramm verlieren. Ein bis zwei Kilogramm pro Monat sind realistisch und gesund. Wichtig dabei: Nach jeder Phase der Gewichtsreduktion solltest du das neue Gewicht erstmal halten, bevor du weiter reduzierst.
Falls du mit starkem Übergewicht kämpfst und Diäten allein nicht ausreichen, können zugelassene Medikamente eine sinnvolle Ergänzung sein. Aber nur unter ärztlicher Aufsicht und als Teil eines umfassenden Konzepts aus Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls psychologischer Unterstützung.
Finger weg von dubiosen Pflastern
GLP-1 ist ein spannendes Feld in der Adipositasforschung. Die verschreibungspflichtigen Medikamente können Menschen mit starkem Übergewicht tatsächlich helfen. Orale Varianten machen die Anwendung in Zukunft vielleicht noch einfacher.
Aber Vorsicht bei allem, was ohne Rezept im Internet verkauft wird. Abnehmpflaster mit angeblicher GLP-1-Wirkung sind reine Geldmacherei. Sie enthalten nicht das, was sie versprechen, und ihre Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen. Bei DM oder Rossmann gibt es diese Produkte aus gutem Grund nicht zu kaufen.
Wenn du wirklich etwas an deinem Gewicht ändern willst, sprich mit deinem Arzt. Gemeinsam könnt ihr einen Weg finden, der zu dir passt und der auch funktioniert. Ohne leere Versprechen und ohne Risiko für deine Gesundheit.
